
Vor 25 Jahren, am 10. Juni 2001, sprach Klaus Wowereit auf einem SPD-Parteitag die Worte: „Ich bin schwul und das ist auch gut so!“ Hinter den Kulissen und hinter vorgehaltener Hand wurde eh schon geflüstert, dass der Kandidat für das Amt des regierenden Bürgermeisters in Berlin schwul sei. Wowereit war auserkoren, die Nachfolge des zurückgetretenen Eberhard Diepgen anzutreten. Um üblen Anfeindungen nach Übernahme des Amtes entgegenzutreten, entschied sich Wowi, die Flucht nach vorn anzutreten und sich öffentlich zu outen. Vor 25 Jahren war das ein mutiger Schritt. Bei vorgezogenen Neuwahlen im Oktober 2021 bekam die SPD die meisten Stimmen und Klaus Wowereit wurde wieder Regierender Bürgermeister, in anderen Bundesländern heisst dieser Posten Ministerpräsident.
Homosexualität war 2001 zwar legal, litt aber immer noch unter der Tabuisierung grosser Teile der Gesellschaft. Das ist inzwischen zwar besser geworden, aber noch immer werden wir schwule Menschen von Teilen der Bevölkerung stigmatisiert. Selbst die Führung der Katholischen Kirche kann sich nicht dazu durchringen, uns den Segen zu erteilen, wohl wissend, dass sich in der Priesterschaft viele homosexuelle Männer in kirchlichen Positionen befinden. Das wird auch immer nocht totgeschwiegen, weil nicht ist, was nicht sein darf.
Ole von Beust, ehemaliger Erster Bürgermeister Hamburgs, ebenfalls in der Position eines Ministerpräsidenten, wurde durch ein Interview seines Vaters zwangsgeoutet. Auch über Ole von Beust wusste man schon vorher, jedenfalls in Hamburg, dass er schwul ist. Ole von Beust wurde später als Bundesratspräsident der zweite Mann im Staate.
Bleibt von der alten Garde noch Guido Westerwelle. Insider wussten seit 1997, dass er schwul ist, nachzulesen war das im Nachschlagewerk Out!. 2004 wurde Westerwelle durch Bild öffentlich geoutet. 2009 wurde er Bundesaussenminister. Im Jahr darauf „verpartnerte“ er sich mit seinem lanjährigen Lebensgefährten Michael Mronz. Westerwelle verstarb 2016 an Leukämie.
Aus dem aktuellen öffentlichen Leben fallen mir zwei schwule Personen ein, Hendrik Streeck und Jens Spahn. Mir ist nicht bekannt, dass sie sich öffentlich geoutet haben oder geoutet wurden. Ich denke, dass das heute auch nicht mehr notwendig ist. Wenn gleichgeschleichtlich veranlagte Menschen sich im privaten Kreis unterhalten, spricht man eben über seinen Mann oder seine Frau, das ist für mich das Selbstverständlichste auf der Welt. Oder sie werden auf öffentlichen Veranstaltungen gemeinsam fotografiert. Jeder andere kann daraus seine Schlussfolgerung ziehen. Während meiner beruflichen Tätigkeit, die ja nun auch schon 11 Jahre zurückliegt, erhielt ich ab und zu Einladungen zu Veranstalungen mit meinem Partner.
Leider ist das noch nicht überall die Normalität, auch wenn homosexuelle Politkerinnen und Poliker als gewählte Volksvertreter in den Parlamenten sitzen. In den letzten 25 Jahren hat sich vieles zum Positiven verändert. Leider ist es aber so, dass konservative Kräfte, besonders aus den Reihen der Rechtsextremen, anderer Meinung sind und alle Errungenschaften verteufeln, in den sozialen Medien werden viel Hass und Drohungen ausgeschüttet.

Als Schill Ole damals damit gedroht hat, ihn zu outen, hat sich ganz Hamburg schlapp gelacht, weil es eh alle wussten.
Für homosexuelle Geistliche war es früher auch nicht leicht, zumindest in der Evangelischen Kirche ist das zum Glück nicht mehr so. Ich habe ja selber einen schwulen Chef und kenne etliche schwule Pastoren.
Matthias Miersch von der SPD ist auch schwul.
Zum Glück sind die Zeiten wobei, in denen das die Karriere kosten kann, aber ich gebe Dir Recht, die Anfeindungen nehmen wieder zu.