Archiv der Kategorie: Kultur

Ballett am Hafen


Am Freitag letzter Woche veranstaltete die Tanzbasis Geesthacht das diesjähre Sommerfest am Geesthachter Hafen. Die Veranstaltung ist eine Leistungsshow der diversen Tanzgruppen, angefangen bei den Minis bis hin zu den Erwachsenen. Angehörige und Freunde der Tänzerinnen – und des kleinen Tänzers – hatten hier die Möglichkeit, sich mal anzuschauen, was in den letzten Monaten erarbeitet wurde. Klassisches Ballett mit Spitzentanz, Jazzballett und Steptanz, das Spektrum ist weit gefächert. Auch Soli einiger Tänzerrinnen wurden gezeigt. Sie hatten einen internen kleinen Wettbewerb gewonnen mit eigenen Choreographien.

Die kurzweilige Aufführungsreihe dauerte mehr als 2 Stunden, leider von 2 Regenschauern unterbrochen. Durch das Programm führte in diesem Jahr souverän Katja Dominik. Laura Wohlers stand mehrmals mit den ganz Kleinen auf den Brettern des Hafens.

War ich im vorigen Jahr nur Zuschauer, durfte ich in diesem Jahr bei den Aufbau- und Abräumarbeiten helfen, was ich für unsere Freundin Manuela Preuß, Inhaberin der Tanzbasis, sehr gern gemacht habe. Freunde und Verwandte waren ebenfalls Helferlein und sorgten u.a. für den reibungslosen Einsatz der Technik und für das Catering mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen für die Backstagecrew.

ESC 2017 – 1. Semi

Tja, wo fang ich an? Mit dem Ende vielleicht, als ich während der Nominierung der Finalisten bangte, ob Belgien es schaffen würde. Als der letzte noch mögliche Teilnehmer für das Finale bekanntgegeben wurde, reckte sich meine Faust empor, als es Belgien war. Ich hatte so sehr gehofft, dass dieses Lied es schaffen würde. Gut, die Interpretin namens Blanches hatte nicht gerade eine positive Ausstrahlung. Aber es wird ja immer wieder vergessen, dass es um das Liedgut geht und nicht um die Interpreten.

Außergewöhnlich der Auftritt aus Moldau. Bei diesen Jungs hatte man als einzige des Abends den Eindruck, dass sie Spaß auf der Bühne hatten. Und später im Bett, als ich den Abend noch mal Revue passieren ließ, war mir bewusst, dass von den ganzen Melodien des Abends allein das Saxophonsolo im Ohr hängengeblieben war.

Schweden ist auch weiter, obwohl aus Schweden schon mal was besseres kam. Warum Australien ins Finale gehievt wurde, erschließt sich mir nicht. Das Lied war blass und langweilig. Dass Polen weitergekommen ist, liegt wohl daran dass „Sex sells“. Die „Hupen“ (bewusst despektierlich dahergesagt) der Sängerin sind fest gewickelt und gepresst damit sie dem Publikum ins Auge fallen und nicht aus dem Kleid. Auf Aserbaidschan hätte ich im Finale auch verzichten können, ebenso wie auf Armenien.

Und Portugal? Was hat der geraucht? Stand der unter Drogen? Er soll ja Herzkrank sein, vielleicht war die Dosis der Medikamente zu hoch? Ich sagte ja anfangs, es geht um das Lied, nicht um die Interpreten, aber auch mit dem Lied kann ich nichts anfangen. Ich hätte gut und gern auf einen weiteren Auftritt im Finale verzichten können. Vielleicht war es eine Art Mitleidsbonus, der ihn weitergebracht hat.

Die Show an sich war nicht besonders reizvoll. Zweimal Jamala als Showact – nö, muss nicht sein. Und die 3 Typen, die durch den Abend führten, wirkten nicht so richtig locker. „Amazing“ und „incredible“ hatten sie sich auf die Fahne geschrieben. Diese beiden Adjektive fanden sie wohl besonders toll und machten davon ausgiebig gebrauch, was ich äußerst incredible fand.

Morgen Abend geht es nun weiter, dann darf auch der Deutsche Fernsehzuschauer „voten“. Gestern hätte ich eindeutig für Belgien und Moldau angerufen, aber ich durfte ja nicht. Mal abwarten, was der morgige Abend bringt. Ganz bewusst habe ich mir die zur Auswahl stehenden Lieder nicht im Vorwege angehört.

Die Schöne und das Biest


Gestern Abend waren wir im Kino, die Schöne und das Biest sollte es sein mit Emma Watson in weiblichen Hauptrolle Die Schöne.

Seit Wochen wird dieser Film hochgepusht – so mein Eindruck. Liegt es an Emma Watson, die ihren Bekanntheitsgrad durch die Harald-Töpfer-FilmeHarry-Potter-Filme erlangte? OK, sie sieht gut aus, aber irgendwie doch ein wenig herbe. Zum Schluss, als das Biest sich in einen Prinzen zurückverwandelt, passt das dann – denn so hübsch und sympathisch ist der Prinz auch nicht. Als Biest gefiel er mir besser.

Und sonst so? Viel bunt, zu viele Animmationen, zu wenig Gesang. Ich hatte mehr von dem Film erwartet. Unser vierstimmiger Kommentar (wir waren mit Astrid und Holger im Kino): „Na ja!“.

Unser Lied für Kiew


Levina hat den ESC-Vorentscheid für sich entschieden, und das ist auch gut so. Wir haben zwar erst einschalten können, als die Schlaftablette Axel seinen ersten Auftritt hatte. Da war für uns schon klar, dass der Typ – ob mit oder ohne raushängendem Pferdeschwanz – nicht das Format hat, uns auf so einem Event zu vertreten. Nach Axel folgte Levina mit ihrem ersten Lied. Sie spielt da in einer ganz anderen Liga.

Die 3 anderen Bewerber konnten wir nur jeweils kurz in den Schnelldurchläufen bewundern, was natürlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Was uns allerdings aufgefallen war, dass der Song von Helene mit ihrer Gitarre ein Abklatsch von „Never Ever“ war, das Lied, mit dem Texas Lightning Deutschland beim ESC 2006 in Athen vertreten hat.

Letztendlich musste Levina im Finale gegen sich selbst antreten, d.h. es war eindeutig klar, dass sie in Kiew auftreten würde, die Frage war nur noch, mit welchem Lied. Gewonnen hat dann „Perfect Life“, ein Song, der uns gefällt, aber er ist nichts besonderes. An welcher Stelle Deutschland dann am Ende des Finales am 13. Mai stehen wird, bleibt abzuwarten.

Eins ist klar: Levina hat eine positive Ausstrahlung, sie kann sich zur Musik bewegen, sie kann singen und sie sieht gut aus. Mit ihrer Person hat Deutschland eine gute Wahl getroffen. Sie kommt sehr sympathisch rüber. „Ich hab Glitter im Mund“ würgte sie lachend und singend ins Mikro als sie im Goldregen auf der Bühne stand und zum Abschluss des Abends nochmal den Siegertitel singen musste.

Die Jury, welche keine abstimmende Funktion hatte sondern eher eine beratend tätig, bestand aus Lena, Flrorian Silbereisen und Tim Bendzko. Als einziger hat Tim es gewagt, nicht alles schön zu reden, z.B. bei Axel. Er übte vorsichtige Kritik, die – nach unserer Meinung – durchaus berechtigt war.

Gewohnt souverän moderierte Barbara Schöneberger den Abend. Zeitweilig bebte unser Bett, nicht aus DEN Gründen, sondern weil wir herzhaft über das Wortgeplänkel der Schöneberger lachen mussten. Allein schon deshalb lohnte es sich, mal wieder den Fernseher einzuschalten. Sind wir jetzt billig?

Ich glaub es ihm …

… auf’s Wort!
Der kleine Saal der Elbphilharmonie ist jetzt auch eröffnet worden. Der Intendant der Elbphilharmonie, Christop Lieben-Seutter, hat in seiner Eröffnungsrede behauptet, dass man im Moment den Großen Saal auch mit kammblasenden Puztfrauen ausverkaufen könne. Er meine das natürlich scherzhaft. Aber ich bin mir sicher, dass es nun einen Aufschrei in Teilen der holden Weiblichkeit geben wird. Ich musste mich jedenfalls sehr konzentrieren, meinem Mann den Satz vorzulesen, ich wurde von Lachkrämpfen geschüttelt. Allein die Vorstellung, Frauen in der Kittelschürze stehen auf dem Podium und blasen auf einem Kamm …

Der Eröffnungsabend

So viel Zeit habe ich lange nicht vor dem Fernseher verbracht, 5 Stunden am Stück. Ab 18 Uhr bis zum bitteren Ende um 23 Uhr habe ich mir auf NDR alles angeschaut, was über die Eröffnung der Elbphilharmonie gesendet wurde. Ich bin ja kein Hamburger mehr, aber als jemand, der 10 Jahre dort gewohnt und noch länger in der Hansestadt gearbeitet hat, fühle ich mich als Nachbar der großen Stadt an der Elbe noch sehr verbunden. Deshalb bin ich schon ein wenig traurig, dass es nicht „meine“ Elphi ist. Anderseits habe ich ja auch durch meine Steuerzahlungen einen kleinen Beitrag dazu geleistet, dass dieses großartige Bauwerk entstehen konnte.

Die Reden von Hamburgs 1. Bürgermeister Olaf Scholz und Bundespräsident Joachim Gauck berührten mich in einzelnen Passagen schon ein wenig und machten mir bewusst, dass ich nicht mehr in Hamburg wohne. Aber man sollte es so sehen, dass die Elbphilharmonie nicht nur ein Teil Hamburgs ist sondern ein Teil Deutschlands.

Das Musikprogramm gestern Abend hat sicher nicht jedem Gast im großen Saal und vor den Fernsehern gefallen, es war schon etwas „speziell“ – wobei es sich im Saal vermutlich wesentlich besser angehört hat als im Puschenkino. Die Idee, die einzelnen Musikstücke „attacca“ zu spielen, d.h. ohne Pause, fand ich persönlich toll, ebenso, dass nicht nur auf dem Podium musiziert wurde, sondern dass man die wohl grandiose Akustik des Saales dadurch demonstieren wollte, einige Stücke von den Rängen zu spielen bzw. zu singen. Wie gigantisch muss sich das wuchtige Finale von Beethovens 9. Sinfonie angehört haben.

Wir sind sehr gespannt auf unseren ersten Konzertbesuch in der Elphi am 20. Mai 2017. Im Großen Saal spielt das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks Werke von Dmitri Schostakowitsch, Thomas Larcher und Maurice Ravel.

Sunset Boulevard in Lübeck


Sunset Boulevard – man denkt unweigerlich an Musik, Tanz und Spaß wenn man das liest oder hört. Ist es aber nicht, jedenfalls nur zum Teil. Sunset Boulevard ist ein Musical, welches von großer Dramatik und großen Gefühlen lebt, fast schon in Richtung Oper, womit dieses Stück damit nicht allein auf den Bühnen dieser Welt steht. Titanic, Rebecca, Phantom der Oper I und II, um nur einige zu nennen, gehören ebenfalls in diese Kategorie.

Die Handlung in Kurzform:
Der Drehbuchautor Joe Gillis verirrt sich in den Garten der früheren Stummfilmdiva Norma Desmond. Norma leidet an Depressionen und lebt in der Erinnerung an ihre glamourösen Leinwandzeiten. Sie hat sich ein selbst ein Drehbuch geschrieben um wieder in Hollywood vor der Kamera stehen zu können. Nach einem Selbstmordversuch der Diva wird Joe ihr Liebhaber. Als Joe sich aus den Fängen von Norma befreit und sie verlassen will, wird er von Norma erschossen. Den Aufruhr am Tatort hält Norma im Wahn für eine Filmszene. Sie erscheint im Kostüm der Salome für die vermeintliche Filmaufnahme.

Das Theater Lübeck konnte Gitte Hænning für die Rolle der Norma Desmond zu verpflichten. Damit ist dem Theater ein großer Glücksgriff gelungen. Gitte spielt die Norma als wenn ihr die Rolle auf den Leib geschrieben wurde. Mit großer Ausdruckskraft gestaltet sie die Rolle, fasziniert saß ich im Theatersessel und verfolgte das Geschehen auf der Bühne. Gitte kennt man als Schlager- und Jazzsängerin, aber das sie eine so großartige Schauspielerin ist, hätte ich nicht vermutet.

In der Rolle des Joe Gillis steht Rasmus Borkowski auf der Bühne des Großen Hauses an der Beckergrube. Leicht und frisch schöpft er seine Rolle aus, ein toller Schauspieler, der schon in diversen Musicals auf der Bühne gestanden hat.

Max, der skurrile und leicht morbide Butler von Norma, wird hervorragend gespielt von Steffen Kubach. Er gehört dem Ensemble des Lübecker Theaters an. Bei aller Ernsthafigkeit verleiht er der Rolle eine gewisse Komik.

An den großen Musicalhäusern wäre das Bühnenbild sicher viel aufwendiger gewesen. Dafür kostet ein Platz in Lübeck in der 1. Kategorie auch nur 51 Euro. Und eigentlich war das Bühnenbild eher nebensächlich. Denn es war spannend, das beeindruckende Spiel der Protagonisten zu beobachten. Es war ein grandioser Abend. Und mit recht gab es am Ende minutenlangen jubelnden Beifall und standig ovations.

Du oder Sie?

You can say you to me! – Dieser Spruch wird Helmut Kohl zugeschrieben, der ja bekanntermaßen ein recht stümperhaftes Englisch spricht. Vermutlich hat er das nie so gesagt. Gesagt haben könnte das auch Heinrich Lübke, der zweite Deutsche Bundespräsident. Ihm werden ja auch so manche Sprüche nachgesagt. Ich wollte damit jedenfalls sagen, dass es in der Englischen Sprache das „Sie“, so wie wir es kennen, nicht gibt.

Als ich vor 23 Jahren in der Firma anfing, in der ich bis zur Rente tätig gewesen bin, wurde mir sofort das „Du“ angeboten, allen voran von den beiden Geschäftsführern. Gut, wir waren eine kleine Truppe von 9 Mitarbeitern inklusive der Geschäftsführer und Prokuristen. Zu der Zeit war es jedenfalls noch ziemlich unüblich, das intime „Du“ zu verwenden. Trotzdem hatten wir, die ganz normale Arbeitnehmer waren, Respekt vor der Geschäftsleitung.

In Telefonaten mit ganz Europa war es üblich, uns mit Vornamen anzureden. Und ja, teils kam es da schon mal zu ziemlich kontroversen Diskussionen. Einzig bei Telefonaten und im Schriftvekehr mit den Kapitänen wurde das distanzierte „Sie“ noch verwendet. Wobei das bei der Reederei, in der ich vorher gearbeitet habe, auch nicht mehr benutzt wurde.

Vor 41 Jahren lernten meine Frau und ich im Urlaub ein Ehepaar aus Dänemark kennen, welche so alt waren wie unsere Eltern. Es ergab sich eine jahrelange sehr schöne Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen mehrmals im Jahr. Evald, unser Freund, der ein recht gutes Deutsch sprach, erklärte uns, dass in Dänemark, ganz offiziell das „Sie“ abgeschafft worden ist, auch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Ich glaube, die Dänen duzen sogar ihre Königin.

Ich erinnere mich an meine früheste Kindheit: Wenn meine Eltern Leute kennenlernten „siezte“ man sich, das gehörte sich schließlich so. Wenn sich dann ein längerer Kontakt ergab, ging man nicht einfach zum „Du“ über, nein, daraus wurde ein richtiger Akt gemacht, das Brüderschaft trinken, ein seltsamer Brauch: Mit einem Glas Schnaps, Bier – oder was man gerade so trank – in der Hand hakte man sich gegenseitig die Arme umeinander und jeder sagte seinen Namen (Ich heiße Paul!) den alle eh schon wussten. Dann trank jeder mit umeinanander gehakten Armen aus seinem Glas und dann küsste man sich noch auf die Wange. Ab jetzt durfte man sich mit „Du“ anreden, was manchmal schwierig war weil man sich an das „Sie“ doch gewöhnt hatte.

Wie locker ist das doch heute geworden. Wir haben hier in der kleinen Stadt an der Elbe viele nette Menschen kennengelernt. Als wir uns irgendwann mal bei irgendwem das erste Mal begegnet sind, haben wir uns selbst gegenseitig vorgestellt: Ich heiße Bernd! – und gut war’s. Letztens, auf der Silberhochzeit von Freunden trafen wir wieder neue Leute. Sie? Nee, es ging gleich zum Du. Ich habe da auch überhaupt keine Hemmungen

Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit fällt es mir ziemlich schwer, überhaupt das „Sie“ zu benutzen, meist versuche ich irgendeinen Spagat wenn ich Menschen in meinem Umfeld anspreche. Es ist auch eine Frage des Gegenübers, wie locker oder wie distanziert die Menschen drauf sind. Das „Sie“ wird immer mehr verschwinden. Trotzdem kann man seinen Mitmenschen mit Respekt begegnen und trotzdem kann man unterschiedliche Meinungen im Geschäftsleben miteinander diskutieren.

Wie komme ich denn nun auf dieses Thema? Die FAZ hat darüber geschrieben.

Es wird noch Jahre dauern, bis das „Sie“ im Sprachgebrauch verschwunden sein wird. Besonders die Älteren Mitmenschen können sich das sicher nicht mit anfreunden. Aber es wird eines Tages soweit sein, da bin ich mir sicher.

Liebe Stirbt Nie – Derniere


Was für ein Abend! Das Musical Liebe Stirb Nie, die leider beim Publikum nicht beliebte Fortsetzung des Musicals Phantom der Oper, feierte eine glänzende Derniere im Operettenhaus Hamburg. Glänzend? Das sagt man doch nur bei einer Premiere, oder? Ich glaube die Aufführung am gestrigen Abend stand einer Premiere in nichts nach. Ausser das Phantom selbst, aber dazu komme ich noch.

Vor dem Beginn der Aufführung wurden die Namen derer Verlesen, die, nachdem der Vorhang gefallen sein würde, das Operettenhaus verlassen müssen. Bei vielen Namen brandete Beifall auf im Parkett und auf dem Rang, nicht deshalb, weil diese Menschen nun endlich das Haus verlassen, nein, der Beifall war Ausdruck der Zuneigung und der Leistung der vielen Menschen, die Teil dieser wunderschönen Inszenierung waren. Ein erstes Tränchen stahl sich in meine Augen. Jetzt schon?! Das kann ja noch was werden, dachte ich.

Dann erfolgte die obligatorische Ansage, dass keine Fotos und Mitschnitte erlaubt und die Handys bitte auszuschalten sind, mit dem abschließenden Hinweis: Die heutige Aufführung wird musikalisch geleitet von Bernhard Volk. Bei der Erwähnung des Namens wieder Beifall und Jubel, der sich bis in die ersten Takte der Ouvertüre hinzog. Wow!

Beifall und Jubel auf offener Szene sollte es noch reichlich während der Aufführung geben, sowas ist sonst nur üblich bei einer Premiere, so denn die Leistungen dies rechtfertigen. Bei dieser Aufführung war es sowas wie ein „Adieu“.

Bei aller Tragik der Handlung verstanden es die Akteure, die Aufführung hin und wieder mit ein paar spaßigen Einlagen aufzulockern, wie es halt bei einer Derniere üblich ist. Besonders die Rolle des Raoul Vicomte de Chagny bot dazu reichlich Anlass, greift er doch gern mal zu einem Drink.

Am Ende der Pause wurden von einem Fanclub Knicklichter an die Zuschauer verteilt um damit eine melancholische Stimmung am Ende der Vorstellung zu erzeugen. Mein Mann schaffte es, gleich schon beim ersten Beifall seine Lichter zu knicken. Um unerwünschte Lichteffekte während der Fortsetzung der Aufführung zu vermeiden, legte er sie auf den Boden und stellte seinen Fuß drauf.

Als Rachel Anne Moore in der Rolle der Christine Daaé das die Handlung entscheidende und gleichzeitig Titellied gesungen hatte, sprang das Publikum fast synchron auf, spendete frenetischen Beifall, vermischt mit Jubelrufen. Die Frau ist auch wirklich toll.

Kurz darauf war das Stück dann zu Ende. Christine lag, durch einen Pistolenschuss, der eigentlich gar nicht ihr galt, niedergestreckt auf dem Steg am Wasser und starb in den Armen vom Phantom. Raoul, ihr Mann konnte sie nur tot in seine Arme schließen, er war schon unterwegs zum Schiff gewese, welches ihn von Amerika nach Frankreich zurückbringen sollte. Das Phantom wollte sich vom Steg in die Fluten stürzen, aber der kleine Gustave, Sohn von Christine und Raoul (oder wessen Sohn?) ging zu ihm hin und legte ihm eine Hand auf die Schulter – für mich der einzige Moment, der mir feuchte Augen bescherte.

Und dann war das Phantom II endgültig Geschichte im Operettenhaus. Geschlossen stand das Publikum auf, Beifall, Jubel für die Darsteller (mein Mann ist heute noch heiser). Blumen wurden auf die Bühne geworfen, Blumen wurden auf der Bühne verteilt. Bernhard Volk, der Dirigent, kam zur Feier des Tages im Frack auf die Bühne, was beim Musical ganz und gar unüblich ist. Alle Kinderdarsteller, die für Rolle des kleinen Gustave mal auf der Bühnen gestanden haben, wurden auf die Bühne geholt um noch einmal ihren Applaus entgegenzunehmen, ebenso wie Zweitbesetzungen. Roul kam mit einer Flasche Alkohol auf die Bühne und prostete dem Publikum zu. Eine Abschiedsstimmung kam eigentlich gar nicht auf, es war eher eine fröhliche Abschiedsparty. Während aus dem Orchestergraben nochmal ein Medley der Melodien erklang, war durch den Gazevorhang zu sehen, wie die Darsteller miteinander sprachen und sich umarmten. Da gab es ganz sicher ein paar feuchte Augen.

Und jetzt unsere persönliche Meinung zu den Akteuren:
Da ist Christine Daaé, wunderbar gespielt und toll gesungen von Rachel Ann Moore, einfach grandios.
Ebenso grandios spielt Yngve Gasoy-Romdal in der Rolle des Raoul Vicomte de Chagny, Ehemann von Christine Daaé. Yngve hatte durch sein schauspielerisches Talent einen großen Anteil am Gelingen des Abends.
Und wo bleibt das Phantom? Tja, leider unter „ferner liefen“. Mathias Edenborn spielt das Phantom ohne Tiefgang, seine Stimme hat nicht das diaboilische, das diese Rolle haben sollte. Sein Spiel ist eher farblos – wie auch seine Stimme. Mein Fazit: Mathias Edenborn spielt ein x-beliebiges Phantom – der Isländische Tenor Gardar Thor Cortes IST das Phantom. Wir hatten das große Glück, diesen großartigen Protagonisten 2 Mal in diesem Musical auf der Bühne erleben zu dürfen. Wir hatten gehofft, dass er in der Derniere ein letztes Mal auf der Bühne stehen würde. Er hat wohl schon ein anderes Engagement. Mit seinem Können muss er sich keine Sorgen um Aufträge machen.

Trotz des Wehrmuttropfens: Es war ein wahrhaftig toller, ein besonderer Abend, den wir noch lange in Erinnerung behalten werden.

Bette & Joan


Zufällig entdeckte ich kürzlich, dass Désirée Nick im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg auf der Bühne steht, als Joan Crawford. Ihre Partnerin – oder ihre Gegenspielerin – ist Manon Straché in der Rolle der Bette Davis. Désirée Nick haben wir vor 6 Jahren als großaratige Schauspielerin in der Rolle der Florence Foster Jenkins auf der Bühne erlebt.

Bette & Joan, zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Als sich der Vorhang öffnet, sitzt Désirée Nick mit nahezu 180 Grad gespreizten Beinen auf der Bühne und macht Dehnübungen in ihrer Garderobe. Man stellt sich vor, wie es da wohl in ihrem Höschen aussehen mag, obwohl man als schwuler Mann das lieber gar nicht wissen möchte.

Doch worum geht es in dem Zweipersonenstück?:
Bette Davis und Joan Crawford sind zusammen für den Film »Was geschah wirklich mit Baby Jane?« engagiert worden. Beide hoffen auf ein Comeback. Im Verlauf der Handlung zeichnet sich ab, dass Bette Davis den Film aus finanziellen Gründen braucht.

Auf der Bühne haben beide Schauspielerinnen ihre eigene Garderobe, in welcher sie über ihr bisheriges Filmleben resümieren, das zum Teil auch ihr Privatleben war, z.B. mit welchen Männern sie verheiratet waren oder auch nur Sex hatten. Beide ziehen natürlich auch über die Gegenspielerin her, denn das sind sie wirklich. Bette Davis intrigiert bei dem Regisseur während Joan Crawford Rache übt und mit Hilfsmitteln dafür sorgt, dass Bette in der sogenannten Hebeszene „Rücken“ bekommt.

Désirée Nick verkörpert mit großen divenhaften Gesten und akzentuierter Sprechweise die glamuröse Joan Crawford. Als krasser Gegensatz dazu Manon Straché in der Rolle der Bette Davis. Rauchend, wie ein Trampel über die Bühne eilend und mit ihrem deftigen Wortschatz wirkt sie wie eine Proletin.

Der Zickenkrieg zwischen beiden Personen war nicht ganz so spitz herausgearbeitet wie wir uns das vorgestellt hatten. Aber Désirée Nick und Manon Straché haben ihre Rollen großartig auf die Bühne gebracht.


Vor dem Theaterbesuch hatten wir uns im „Flickenschildt“ gegenüber dem Theater gestärkt. Die Inhaber haben gewechselt, sind aber immer noch schwul. Die Bratkartoffeln sind immer noch erstklassig. Und der „Altefrauentoast“ (ein Insider) steht immer noch auf der Speisekarte. Das Flickenschildt ist keine Kneipe für Schwule, es ist ein gemütliches Kneipenrestaurant, welches gerade von den Theatergängern sehr gern besucht wird.