Hamburg ist Kinky


Nach dem schnellen Abendessen am Freitag im Maredo gingen wir die paar Schritte hinüber zum Operettenhaus am Spielbudenplatz. Ein eisiger Ostwind fegte durch die Reeperbahn, es war saukalt. Wir wollten eigentlich bereits um 18:30 Uhr unseren ersten Drink im separierten Barbereich für „open Bar“ zu uns nehmen. Durch die vorherige Verzögerung wurde das ein paar Minuten später, aber immer noch rechtzeitig für 2 – 3 Getränke vor der Vorstellung von „Kinky Boots“. Um in den Genuss dieses Musicals zukommen, hatten wir Frank und Thomas nicht lange überreden müssen.

Nur wenige Minuten vor dem Beginn der Vorstellung nahmen wir unsere Plätze in der Mitte von Reihe 2 ein. Natürlich saßen die anderen Leute dieser Reihe schon auf ihren Plätzen und alle mussten für uns aufstehen (Danke! Vielen Dank! Dankeschön! Man weiß ja, was sich gehört).

Ein alter Bekannter stand an diesem Abend am Pult, Sebastian de Domenico. Als wir uns zaghaft bemerkbar machten (die 1. Reihe ist dort, wo der Dirigent seinen Platz hat, unterbrochen und die 2. Reihe, in der wir unsere Plätze hatten, ist dann direkt dahinter), gab es erstmal eine kurze aber herzliche Begrüßung.

Über das Musical hatte ich ja schon mal ausführlich berichtet. Und genau so verlief diese tolle Show. Es gab ein paar Umbesetzungen gegenüber der Aufführung im Dezember. Die Darsteller müssen ja auch mal Urlaub machen. Aber der Leistung des Ensembles tat das keinen Abruch. Es war total genial. Wir können wirklich nur jedem empfehlen, sich das Stück anzuschauen. Wer meint, dass es sich um ein „Transenstück“ handelt, wird eines besseren belehrt werden. Es gibt Szenen, in denen es total still ist im Publikum, man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören. Und dann brandet wieder Szenenapplaus auf (davon gibt es reichlich) weil die Leistung der Künstler und Künstlerinnen, zusammen mit der Musik von Cyndi Lauper, das Publikum mitreißt.

Gino Emnes agierte wieder berührend und frech als Lola. Als Charlie Price spielte sang und tanzte an diesem Abend Marlon Wehmeier. Ebenso begeisterte mit überschäumender Spielfreude Jana Stelley als Lauren, eine Arbeiterin in der Schuhfabrik. Auch unsere Freunde hielt es beim Schlussbild nicht mehr auf den Plätzen und sprangen mit uns auf, um das Ensemble mit Klatschen bei Tanz und Gesang zu begleiten. Sie sind ebenso begeistert von Kinky Boots wie wir es sind. Am Ende der Vorstellung wurde das Publikum aufgefordert, Fotos zu machen um diese in den sozialen Medien zu veröffentlichen. Man braucht Werbung. Mundpropaganda reicht scheinbar nicht aus, um Kinky Boots über den Spätsommer in Hamburg halten zu können. Ich hatte diesen Hinweis gar nicht gehört weil ich von der bunten Vielfalt auf der Bühne und der Musik noch so eingenommen war. Deshalb habe ich nur eine leere Bühne aufgenommen.

Ratet mal, was wir am nächsten Samstag machen?

Die „open Bar“ versorgte uns in der Pause wieder mit Getränken (deshalb waren wir ohne Wagen unterwegs). Und dann ging es mit U-, S-Bahn und Bus in die kleine Stadt an der Elbe. Dort fegte immer der eisige Sturm durch die Straßen und wir waren froh, als wir unser wärmendes Zuhause. Es gab noch einen Absacker und dann fielen wir alle müde ins Bett – nicht in das selbe, wir sind schließlich anständig.

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