Hamburg trifft New York – mit „Mein Schiff 6“ – Teil 3

2. September 2017 – Halifax

Am Vormittag trafen wir in Halifax ein, 09:30 Uhr. Das war so geplant, ist aber relativ spät. Capt. Todd hätte gern eine Kohlenschaufel mehr in die Kessel werfen lassen können damit wir früher ankommen. Wir bevorzugen nämlich die Vormittagsausflüge, so denn passende angeboten werden. Dann hat man noch den Nachmittag, um an Bord zu relaxen.

Unser heutiger Landausflug beinhaltete eine kleine Stadtrundfahrt durch Halifax mit 2 Stops. Der erste Halt war am Public Gardens, ein kleiner Park im Viktorianischen Stil mitten in der Stadt. Leider war es so, dass der Rundgang vom Guide geführt wurde. Er erzählte was über den Brunnen, den Pavillon und zeigte uns Bäume, die irgendwann von irgendwelchen Angehörigen des englischen Königshauses gepflanzt worden waren. Nicht dass ihr denkt, Kanada wäre ein Königreich, aber Queen Elizabeth II ist immer noch das formelle Staatsoberhaupt Kanadas, auch wenn sie da nichts zu sagen hat. Aber das kennt sie ja von zuhause auch.

Es hätte uns besser gefallen, allein durch den Garten zu lustwandeln, so dass denn mit einem Bus voller Touris überhaupt möglich gewesen wäre. Aber das wäre immer noch besser gewesen, als hinter einem Guide mit einer hochgehaltenen Nummer hinterher zu laufen, den man eh kaum verstehen konnte.

Der nächste Halt erfolgte an der Zitadelle mit Blick über die Stadt und den Uhrturm, das Wahrzeichen der Stadt. Der Citadel Clock Tower wurde im Jahr 1803 eröffnet. Leider wurde der recht hübsche Turm
durch die am Wasser stehenden modernen Bürogebäude regelrecht verschluckt.

Von Halifax fuhren wir durch Wälder und an vielen Seen vorbei nach Peggy’s Cove, eine kleine Siedlung, die hauptsächlich vom Tourismus lebt. Und das sieht man! Auf der schmalen Zufahrtstraße schleicht der Verkehr zum kleinen Parkplatz, auf dem auch viele Busse stehen. Auf der Felsenformation mit dem Leuchtturm kraxeln viele Menschen umher. Hier kann man wirklich von Massentourismus sprechen, denn die Anzahl der Besucher übertrifft die der Einwohner bei weitem. Und bevor wieder jemand über den Kreuzfahrttourismus herzieht: Die Busse von TUICruises waren zahlenmäßig eindeutig unterlegen.

Trotzdem genossen wir den Aufenthalt in Peggy’s Cove und ließen uns auf den Felsen den Wind um die Nase wehen. Es war eindrucksvoll und befreiend, ohne Guide umherzugehen.

Zurück in Halifax besuchten wir einen Friedhof. Ausgerechnet einen Friedhof? Es muss schon ein besonderer Friedhof sein, wenn der Besuch desselben angeboten wird. Und ja, das ist ein besonderer Friedhof. 150 aus dem Wasser geborgene Tote des Titanic-Dramas wurden dort beigesetzt. Jeder von ihnen hat ein Grab mit einem Gedenkstein. Von vielen verstorbenen sind die Namen nicht bekannt. Dann steht einfach nur das Sterbedatum auf dem Stein. Die Nummer auf den Steinen bedeutet die Reihenfolge der aus dem Wasser geborgenen Toten.

Als ich vor der weitläufigen Gedenkstätte auf dem Fairview Lawn Cemetery stand, bekam ich feuchte Augen. Hier wurde ich direkt mit dem Schicksal der Menschen und des Schiffes konfrontiert. Der Guide hatte einige interessante Einzelheiten zu erzählen, denen ich aber nicht immer zuhörte. Lieber ging ich allein – so dass denn möglich war – durch die 3 Gräberreihen. Einige Grabsteine sind größer und haben eine ausführlichere Inschrift, so auch der des Stewards Ernest Edward Samuel Freeman. Dieser Stein wurde vom Inhaber der White Star Line, J. Bruce Ismay, gestiftet. Ismay war insofern mitverantwortlich für den Untergang des Schiffes, als dass er den Kapitän dazu anstiftete, die Geschwindigkeit des Schiffes trotz der Gefahr, auf Eisberge zu treffen, zu erhöhen. Ismay wollte eine Legende erschaffen indem er einen Geschwindigkeitsrekord brechen wollte. Die Legende hat er bekommen, aber es wurde eine traurige Legende.

Vor dem Friedhof standen mittlerweile 4 (!) Busse. Man sollte versuchen, den Besuch des Friedhofs zu entzerren. Man könnte z.B. den Besuch auch an den Anfang der Tour legen und andere Busse ihn erst am Ende der Tour anfahren lassen. Dadurch könnte man ein wenig Rücksicht auf die Menschen nehmen, die sich auf dem Fairview Lawn Cemetery ihren Gefühlen hingeben und nicht sensationslüstern zwischen den 3 Grabreihen umhertapern.

Ich hatte es schon vermisst: Heute Abend wurde endlich das große Käsebuffett angeboten. Alle anderen Speisen ließ ich links und rechts liegen, ich legte mir nur diverse Käsesorten in kleinen Mengen auf den Teller. Leider schaffte ich es doch nicht, alles zu verspeisen, Bernd musste einspringen. Wir mögen es nämlich nicht, Reste auf den Tellern zu lassen. Wenn man sieht, was andere Passagiere sich auf ihren Teller häufen und dann nur Bruchteile davon essen, schütteln wir immer die Köpfe. Heute hatte ich mich aber etwas übernommen, nur etwas. Käse sättigt eben.

Heute begaben wir uns auf den letzten Teil der Reise in Richtung New York. Im Sonnenuntergang verließen wir Halifax. Das Lotsenboot, auf dem in großen Buchstaben „PILOT“ steht, begleitete uns, um den Lotsen später wieder von Bord zu holen. Neben uns an der Reling stehen Passagiere und unterhalten sich. „Da fährt schon der Pilot!“. Dabei sprechen sie das so aus, wie es auf dem Boot steht und nicht „pailet“. Bernd und ich schauen uns an und rollen nur mit den Augen.

Auf dem Pooldeck fand am späteren Abend eine Poolparty statt. Das Theaterensemble heizte mit flotten Songs ein bevor ein DJ für die richtige Stimmung sorgte. Jugendliche hatten zu einigen Hits Choreographien einstudiert und führten diese auf der Bühne vor. Mein Tanzbär zappelt natürlich auch am Pool. Wo wohl die Pädagogin heute gesessen hat?

3. September 2017 – 7. Seetag

Ein letztes Mal gab es in der Nacht eine Zeitumstellung, wieder eine Stunde zurück. Jetzt liegen wir gegenüber Deutschland 6 Stunden zurück, so, wie ich es eigentlich seit der Ankunft in St. John’s erwartet hatte.

Der letzte Tag, das Bordleben zu genießen. Morgen sind wir in New York und haben Programm. Übermorgen dann der Abflug. Wir hören, dass erste Gäste schon mit dem Packen begonnen haben. Da wir in New York erst nachmittags einen Landausflug haben, ist dann Zeit genug für uns, die Koffer zu packen. Da fast alles Schmutzwäsche ist, geht das ruckzuck.

In der Osteria essen wir nochmal eine riesige Pizza. Schade, ich habe von den Dingern kein Foto gemacht. Das wird im nächsten Jahr nachgeholt.

Der Hotelmanager Hans erläutert per Borddurchsage, wann wir morgen die Verrazano-Narrows-Bridge passieren, die Brücke, die von allen Schiffen passiert werden muss, die nach New York fahren. Auf dem Pooldeck würde heiße Schokolade bereitstehen um sich zu wärmen und der Lektor Marcus Kummerer würde Informationen über New York und seine Sehenswürdigkeiten geben.

Die Zeitung mit aktuellen Neuigkeiten, die wir jeden Abend auf die Kabine gelegt bekommen, landet wie immer ungelesen im Papierkorb. Ich habe es wahrgemacht und nicht einen Blick hinein- oder auf die Schlagzeile der Titelseite geworfen. Ein letzter Rundgang durch und über das Schiff, wir nehmen sozusagen Abschied von „Mein Schiff 6“.

Am Abend gibt es auf dem Pooldeck die Kids Show. Gruppen aller Altersklassen haben etwas einstudiert. Die Kleinsten zeigen eine kleine Geschichte, die Älteren eher sportliche Darbietungen, teilweise auch im Pool. Die notwendigen Proben wurden natürlich auch im Pool durchgeführt, worüber sich ein Passagier beschwert hatte weil er seine Schwimmrunden nicht durchführen konnte. Vermutlich ein alleinstehender Single aus der Holzklasse, der auf niemanden Rücksicht nehmen muss.

Zu einem letzten gemeinsamen Drink treffen wir uns mit Heike und Torsten in der Schaubar.

Um 21:42 Uhr setzen wir die letzte Flaschenpost ab, die rote Flasche. Es war der Wunsch von Freya, dass diese Flaschenpost nach Amerika soll. Wo sie nun abbleiben wird, ebenso wie die 4 Flaschen, die wir schon auf die Reise geschickt haben, wer weiß das schon!

4. September 2017 – Ankunft New York – Bayonne

Wir haben uns nicht den Wecker gestellt damit wir um 5 Uhr an Deck stehen können. Aber wegen der neuerlichen Stunde Zeitumstellung, sind wir früh wach. Es ist noch dunkel. Bernd steht auf und schaut aus dem Fenster und sieht, dass wir gleich die Verrazano-Narrows-Bridge passieren werden. Er geht ins Bad, ich stehe auf und schau auch nochmal auf die Brücke.

Und dann fahren wir plötzlich an der Freiheitsstatue vorbei während Bernd unter der Dusche steht. Ich reiße die Badezimmertür auf und berichte Bernd. Der stürzt aus der Dusche, trocknet sich notdürftig ab und dann stehen wir beide in der Tür zur Veranda und gucken und gucken. Und im Hintergrund die Skyline von New York! Donald Trump ist in diesem Moment vergessen.

Nachdem ich im Bad war gehen wir an Deck. Songs von Frank Sinatra werden gespielt während Marcus Kummerer seine Erklärungen abgibt. Bald beginnt die Morgendämmerung, der Himmel färbt sich langsam rot, Manhattan im Sonnenaufgang, ist das schön! Und dann geht ganz langsam die Sonne über New York auf. Es ist wie ein Traum, es sieht so unwirklich aus.

Unser schwimmendes Zuhause der letzten der 2 Wochen macht am Cape Liberty Cruise Port in Bayonne fest. Entweder waren die Liegeplätze direkt in New York ausgebucht oder zu teuer, ich vermute letzteres. Über die Borddurchsage wird der Ablauf der Passkontrolle durchgegeben. Zuerst dürfen die Passagiere von Bord, die einen Vormittagsausflug gebucht haben. Wir haben Zeit genug, unser Ausflug geht erst um 18 Uhr los.

Nach dem Frühstück gehen wir in die X-Lounge, trinken unseren Orangensaft und beobachten das Treiben auf dem Vorplatz des Terminals. Etliche Busse stehen dort für die Landausflüge bereit. In kleinen Gruppen sickern Passagiere aus dem Terminal und steigen mal in diesen und mal in jenen Bus. Laut Borddurchsage beträgt die Wartezeit im Terminal zurzeit 90 Minuten. Man möge sich doch bitte gedulden.

Vor dem Terminal bildet sich eine Gruppe mit Passagieren, die auf Taxen warten um in die Stadt zu fahren. Die Gruppe wird größer und größer, Taxen kommen nur ab und zu. Gegen 11:15 Uhr beschließen wir, auch mal unser Glück mit der Einreise zu versuchen. Um 11:25 Uhr betreten wir das Land des Donalds.

Im Terminal sind 2 Schlangen an 20 Schaltern für die Abfertigung. Eine Dame weist uns nach rechts ein. Da geht es auch recht zügig. Wir geraten an einen netten Officer. Er fragt uns nach unserer „relation“, ob wir Brüder wären. Wir sagen, wir sind „married“. Fingerabdrücke auf einem Scanner rechte Hand, dann linke Hand und der jeweilige Daumen extra. Währenddessen wird mein Pass gescannt. Und dann sagt der Typ zu mir „I like your shirt!“ – Ts, ich wusste gar nicht, was darauf zu sehen ist. Wir unterhalten uns noch einen Moment, er erzählt was über Lobster. Dann bekam ich den Stempel und seine Unterschrift in den Pass, fertig, ich durfte einreisen. Bei Bernd ging es dann auch schnell. Inklusive Wartezeit hat das 30 Minuten gedauert.

Da wir noch nicht wieder an Bord durften, schauten wir uns das auf dem Kai direkt neben dem Schiff stehende Teardrop Memorial an. Die Gedenkstätte wurde von Putin anlässlich 09/11 gestiftet. Das Teardrop Memorial sieht richtig toll aus und hat einen guten Platz in Sichtweite von Manhattan. Im Sockel sind die Namen aller Verstorbenen des Terroranschlags eingravier. In dem kleinen Park steht auch ein Stück Stahl, welches aus dem zerstörten WTC stammt.

Als wir wieder an Bord sind, waren kaum Leute auf dem Schiff. Wir ließen uns in der Außenalster Bar nieder und überlegten, was man in New York trinkt. Ein Blick in die Getränkekarte – und es war klar: Long Island Ice Tea. Bernd macht ein Foto von mir mit dem Shirt, welches der Immigrationofficer so toll fand. Ich stelle mich auf den „Blauen Balkon“, eine kleine Glasplattform, durch die man bis hinunter zum Wasser schauen kann. Durch ein Fenster seitlich unterhalb der Plattform schießt Bernd ein Foto, wir müssen Zeit totschlagen, und das geht nicht nur durch trinken von Cocktails, auch wenn das vor der Kulisse von Manhattan fast luxuriös ist, ein Hauch von Sex and the City.

Um 18 Uhr wurden wir mit dem Bus abgeholt. Wir fahren an China Town vorbei und wir sehen die typischen Fassaden mit den Feuertreppen. Der erste Stop war an der Brooklyn Bridge in Brooklyn, wir halten fast unterhalb der Brücke mit Blick auf Manhattan auf der anderen Seite des East River. Viele Menschen waren dort, aber es herrschte eine lockere Atmosphäre, es war Feiertag in den USA, Labourday. Es ging weiter und zurück nach Manhattan. Kreuz und quer fuhr uns der Bus durch die Stadt. Langsam wurde es dunkel. Der Guide wusste natürlich viel zu erzählen. Wir kamen am Kaufhaus Macy’s vorbei. Es wurde 1877 von den Brüdern Nathan und Isidor Straus übernommen. Isidor Straus und seine Frau Ida starben 1912 beim Untergang der Titanic.

Nächster Stop: Das Empire State Building, der einstmals höchste Wolkenkratzer New Yorks und bis 1972 auch der höchtste Wolkenkratzer der Welt. Unsere Tickets berechtigten uns dazu, ohne lange Wartezeit bis zu den Aufzügen zu gehen. Trotzdem war es recht voll, viele Menschen wollten nach oben. Der erste Aufzug brachte uns in kurzer Zeit bis zum 80 Stockwerk. Von dort gab es einen weiteren Aufzug bis zur Etage 86 mit der offenen Besucherplattform. In 3 Reihen standen die Menschen vor dem Gitter und schauten auf Manhattan bei Nacht. Der Wechsel zwischen der 3. und der 1. Reihe lief aber reibungslos, so hatte jeder mal die Möglichkeit, ganz vorn zu stehen. Leider reichte die Zeit nicht, eine weitere Plattform auf Etage 102 aufzusuchen.

3. Stop: Times Square. Welch ein Trubel und viele viele Menschen. Durch die großflächige bunte Werbung an den Häusern ringsherum war der Platz taghell erleuchtet. Der NYPD hat auf dem Platz eine kleine Wache, ich vermute, die wurde nach 9/11 dort aufgestellt. Hier hatte ich zum ersten Mal überhaupt einen Gedanken: Wenn jetzt hier jemand eine Bombe zündet?! Hunderte Passanten würden das nicht überleben. Alle Geschäfte hatten geöffnet – trotz des Feiertages und des späten Abends. Wir hätten wir noch ein paar Einkäufe erledigen können, aber wir waren erschlagen von den Eindrücken, die hier auf uns eingeprasselt waren.

Als uns der Trubel zuviel wurde, zogen wir uns in die Seitenstraßen zurück und entdeckten dort einige alte Theater, in denen Musicals gespielt werden. Hello Dolly läuft da immer noch – oder schon wieder, wer weiß das schon so genau. Und natürlich The Phantom of the Opera, das Muical, welches am Broadway die längste Laufzeit hat. Ursprünglich hatten wir gedacht, uns an diesem Abend eine Musicalvorstellung anzuschauen. Leider ist montags spielfrei – wie bei uns auch.

Durch das nächtliche New York brachte uns der Bus zurück zum Schiff. Es war schade, dass wir die Vormittagstour stornieren mussten. Wir hatten uns ein paar Plätze gesucht, die wir hätten gern besuchen wollen, z.B. Ground Zero, Christopher Street, Central Park. Beim nächsten Mal machen wir das – falls wir nochmal wieder hinkommen.

5./6. September – letzter Tag der Reise und Heimflug

Das letzte Frühstück nahmen wir heute auf der Veranda beim Restaurant Gosch am Heck des Schiffes ein, mit Blick auf die Freiheitsstatue und Manhattan. Welch ein Platz zum Frühstücken! Der Anblick lässt mich nicht los und wird für ein paar Jahre in der Erinnerung weiterleben. Um 11 Uhr sollten wir abgeholt und zum Newark Airport gebracht werden. Die Zeit bis dahin warteten wir dann in der X-Lounge. Die Concierge servierte uns nochmal Champagner.

Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen musste ich in den Nacktscanner. Irgendwas piepte bei mir. Ich musste alles das, was ich in den Hosentaschen hatte, vorzeigen. Was hätte piepen können – keine Ahnung. Wir suchten unser Gate und den dazugehörigen Wartebereich. 5 Stunden hatten wir nun noch Zeit bis zum boarding. Wir beobachteten das boarding anderer Flüge. Von Zeit zu Zeit vertraten wir uns die Beine oder suchten die sanitären Einrichtungen auf. In der riesigen Abflughalle gibt es eine riesige Bar und diverse Bistros und Kioske. Auf jedem Tisch steht ein Tablet, an welchem Speisen und Getränke ausgesucht werden. Bezahlt wird natürlich mit einer Kreditkarte.

Als unser Flug dran war wurde laut und deutlich erklärt, dass auf den Bordkarten Nummern draufstehen, wir hatten Gruppe 4. Die Fluggäste würden Gruppenweise aufgerufen werden. Wie die Deutschen so sind, hört niemand richtig zu. Alle strömten zum Gate, egal in welcher Gruppe sie waren. Gruppe 1 + 2 waren die bevorzugten Passagiere, z.B. die der Business Class. Dann wurde Gruppe 3 aufgerufen. Großer Andrang zum Gate. Es wurde nochmal erklärt, wie das Boarding abläuft weil sich offensichtlich Angehörige anderer Gruppen untergemischt hatten. Die wurden aber zurückgewiesen und standen nun im Weg. Nochmal wurde Gruppe 3 aufgerufen mit einer leicht genervten nochmaligen Erklärung des Procedere. Als wir mit Gruppe 4 dran waren, standen immer noch Passagiere der Gruppe 5 vorn im Weg. Die Ersten werden die Letzten sein!

Das Kabinenpersonal war freundlich und manchmal auch witzig. Wir hatten Economy plus gebucht und hatten die perfekte Sitzreihe, in der Mitte zwar, aber wir saßen in der Reihe mit den Notausgängen mit richtig viel Beinfreiheit. Nach dem überraschend schmackhaften Abendessen suchte ich mir aus dem reichhaltigen Angebot einen Film aus und schaute mir Grand Budapest Hotel an. Irgendwann wurde jedem Passagier eine Flasche Wasser hingestellt, dann wurde das Kabinenlicht gelöscht. Ich war müde, schloss die Augen und legte den Kopf auf die Seite, geschlafen habe ich aber nicht. Trotzdem schreckte ich leicht hoch als das Licht wieder anging und das Frühstück serviert wurde. Laut Karte waren wir kurz vor Irland und hatten noch etwa 2 Stunden Flugzeit vor uns.

Als der Flieger in Hamburg zum Stehen kam, sprangen die Leute auf und holten ihr Handgepäck aus den Ablagen. Ein heilloses durcheinander, ich frage mich immer, warum das so sein muss. Später stehen eh alle wieder am Gepäckband und warten auf die Koffer. Entspannt blieben wir sitzen, bis die Chaostruppe verschwunden war.

Zu Hause wurden erstmal die Koffer geöffnet und geleert. Überraschung: In jedem Koffer lag obenauf eine Mitteilung, dass sie von der Transportation Security Administration für eine Sicherheitsinspektion geöffnet worden waren. In meinem Koffer sah es etwas unordentlich aus. Die Kulturtasche lag oben auf der Wäsche und war etwas zerdrückt. Macht aber nichts, alles ist heil geblieben.

Die Frage, ob es sich lohnt, einen nicht unerheblichen Aufpreis für eine Juniorsuite zu bezahlen, lässt sich aus unserer Sicht nicht ohne weiteres mit ja oder nein beantworten. Die Vorteile liegen auf der Hand:

Eine größere Kabine mit mehr Stauraum, ein größeres Bad
Nutzung der X-Lounge und dem Vorteil, dass man nicht unbedingt mit vielen Menschen zusammensein muss
Freies WLAN
Freie Minibar, aus der wir uns aber nur mit Wasser, Säften und Softdrinks zum Durstlöschen versorgt haben
Es gibt noch ein paar Goodies, die zwar nett aber nebensächlich sind

Nach 3 Tagen waren wir hin und weg und wir wollten unserem Reisebüro schon eine Email schicken, für die nächste Reise ein upgrade auf eine Juniorsuite zu buchen wenn eine frei wird. Im Lauf der Reise verschwand die Euphorie aber wieder. Es ist, wie man so sagt, nice to have. Wir sind noch hin- und hergerissen, ob wir im nächsten Jahr das Geld dafür ausgeben wollen. Wir werden sehen. Voraussetzung ist natürlich, dass eine Juniorsuite frei wird.

Und jetzt, wenn ich diesen 3. und letzten Teil online stelle, zeigt die Mein-Schiff-App im Countdown bis zum nächsten Urlaub:

Teil 2 <---

12 Gedanken zu „Hamburg trifft New York – mit „Mein Schiff 6“ – Teil 3

  1. Gerlinde

    Super zu lesen, deine Reiseberichte – ich selber würde jedoch derartige Reisen nicht machen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich wochenlang nicht weg kann, wenn ich das möchte, krieg ich die Krise. Klaustrophobie? – keine Ahnung, mir wäre das alles zu eng.

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    1. Hans-Georg

      Hallo Gerlinde.
      Hm, ich kann deine Bedenken nicht nachvollziehen. Wenn man im Hafen ist, kann man doch an Land gehen, wenn man mag von der Ankunft bis zur Abfahrt des Schiffes. Man muss keine Landausflüge buchen, man kann allein durch die Stadt streifen. Da ist doch nichts eng. Es ist nicht anderes als ein Urlaub im Hotel oder in einer Ferienwohnung, nur dass sich die Unterkunft bewegt und von Hafen zu Hafen fährt. Und überall auf dem Schiff gibt es Plätze, an denen man gemütlich und ruhig sitzen kann.

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  2. Peter S.

    Herzlichen Dank, lieber Hans-Georg, für die farbige und lebendige Schilderung eurer Reise! 🙂
    Ich hatte bisher keine richtige Vorstellung davon, wie es auf so einem Dampfer zugeht.
    Und natürlich ganz besonderen Dank auch für die Mitnahme und den Abwurf der Flaschenpost des kleinen Fräuleins aus Kiel!
    (Für „Späteinsteiger“: Die Vorgeschichte des Unternehmens ist hier zu lesen: https://flaschenposten.wordpress.com/2016/11/03/zum-kaffee-bei-freya/ )
    Herzlich
    Peter

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    1. Hans-Georg

      Moin Peter -und vielen Dank für das kleine Kompliment.
      Freya ist ja in einem Alter, in dem sie die Chance hat, nochmal was von ihrer Flaschenpost zu hören. Wir drücken ihr die Daumen.

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  3. Elke

    Hier von mir nur kurz Ein Lob für Deine tollen Berichte und Fotos, die ich in Ruhe und ohne Zeitdruck nochmal Zuhause lesen und kommentieren werde (W-lan hier nur eingeschränkt 😉). Aber ich bin jetzt schon begeistert. Rest folgt. LG Elke

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  4. Michi

    Vielen Dank Hans-Georg für den fantastischen Bericht und die tollen Bilder, ich war ja schon sooo gespannt. Jetzt will ich auch nach New York…..
    LG Michi 🙂

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    1. Hans-Georg

      Hi Michi!
      New York ist schon phantastisch. Jeder hat das eine oder andere Bild schon mal gesehen, man kennt das. Aber wann man dann leibhaftig dort ist, ist es unwirklich. Wir haben schon Ideen, den Big Apple mit einer Kreuzfahrt zu kombinieren.

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  5. Manu

    Da habt ihr ja wieder eine tolle Reise gemacht. Sind gespannt auf mehr Berichte beim nächsten Treffen. Und Kinky Boots gibt es auch in NY. Nun wird es Zeit, dass wir uns um Karten kümmern, gell. Bis bald <3
    Manuela

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    1. Hans-Georg

      Hi Manu!
      Kinky Boots steht ganz oben auf unserer Liste.
      Nun haben wir mit Kanada ein Land mehr auf der Karte „Schon mal dagewesen“. aber euch werden wir wohl nicht einholen.

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    1. Hans-Georg

      Wenn du unsicher bist, probiere es erstmal mit einer 8- bis 10-tägigen Reise. Für mich kann es nicht lange genug dauern, meinem Mann reichen 2-1/2 Wochen.
      Die nächste Reise ist ja schon gebucht und die Reise für 2019 ist schon ausgesucht, aber noch nicht buchbar.

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