Die Elbphilharmonie


Es war ein beeindruckender Abend, nicht zuletzt durch das Programm, welches das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks gestern Abend in der Hamburger Elbphilharmonie aufgeführt hat, wenn auch in Teilen gewöhnungsbedürftig, doch dazu später mehr.

Bernd hatte mir die Tickets für das Konzert zu Weihnachten geschenkt. Schon seit Monaten waren sie in einer App auf unseren Handies gespeichert. Sogar das Symbol für die freie Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist dort mit eingeklöppelt, was uns sehr entgegenkam, sind wir doch mit Bus und Bahn nach Hamburg und wieder nach Hause gefahren.

In der Hafencity machten wir erstmal einen kleinen Spaziergang. Das schöne Wetter hatte viele Menschen angelockt, die auch dort flanierten. Viele Menschen standen auch auf dem Platz vor dem Elbphilharmonie. Das Bauwerk ist natürlich sehr imposant und man möchte es gern aus der Nähe betrachten bzw. man hinauf auf die umlaufende Plaza fahren um den Hamburger Hafen von oben zu betrachten. Bernd und ich waren wieder der Meinung, dass die Bebauung der Hafencity ziemlich langweilig, teilweise sogar hässlich ist. Uns gefällt die Hafencity Aker Brygge in Oslo sehr viel besser.

Zum Besuch eines Musical- oder Konzertabend gehört für uns ein Restaurantbesuch vor der Veranstaltung dazu. Wir hatten uns das Restaurant Tai Tan in unmittelbarer Nähe des Konzertsaales ausgesucht. Thailändische Küche, so wie sie hier eben angeboten wird, mögen wir sehr gern. Wir trinken selten Bier, aber wenn wir zum Thailänder gehen, gehört ein Singha Bier bei uns zum Essen dazu.

Nach dem sehr schmackhaften Essen machten wir uns auf den kurzen Weg zur „Elphi“. Unser Handyticket wurde am Drehkreuz gescannt und nach wenigen Schritten erreichten wir erwartungsvoll die lange Rolltreppe mit dem „Buckel“, die uns hinauf zur Plaza brachte. Vor uns standen viele Besucher auf dem Transportband, deshalb bekamen wir von dem „Buckeleffekt“ nicht so viel mit. Hinter uns war viel Platz, wir hätten lieber ein wenig warten sollen.

Wenn man die Eröffnungsphase in den Medien aufmerksam verfolgt hat, weiß man ja, was einen erwartet und wie es dort aussieht. So ein richtiger Wow-Effekt stellte sich deshalb bei mir nicht ein. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass es schon was ausmacht, die Architektur aus nächster Nähe und live mit eigenen Augen zu betrachten. Und man muss sich mal vorstellen, dass die Plaza das Dach des alten Kaispeicher A ist. Der Konzertsaal mit dem Hotel und den Wohnungen ist oben draufgesetzt. Unbestreitbar ist den Architekten ein ganz tolles Objekt gelungen. Trotz all der Unbill durch Bauverzögerung und ständige Teuerung kann Hamburg sich glücklich schätzen, niemals davon abgerückt zusein, den Bau der Elbphilharmonie durchzuziehen.

Vor dem eigentlichen Konzert gab es eine Einführung in die Musikstücke, die uns an diesem Abend erwarten würden. Zu diesem Zweck betraten wir erstmals den Großen Saal mit der berühmten „Weißen Haut“. Auch hier war uns der Anblick bekannt, aber dann das erste Mal hier zu sitzen, etwas, was wir uns seit dem Baubeginn vorgenommen hatten, war schon toll.

Der Österreicher Thomas Larcher, Komponist von „A Padmore Cycle“, den wir später zu hören bekommen sollten, war ebenfalls anwesend und wurde im Gespräch in die Einführung mit einbezogen. Im Nachhinein vorteilhaft waren die Erklärungen zu „La Valse“ von Maurice Ravel.

Nach der Einführung lustwandelten wir noch ein paar Minuten im Foyer und beobachteten die Leute, von denen der überwiegende Anteil, so wie wir auch, nur gekommen war, sich das Bauwerk anzuschauen. Man konnte ja einfach nur hinnehmen, für welches Konzert man Karten bekam. Vom Foyer aus kann man auf einen kleinen Balkon hinaustreten, der sozusagen in bzw. an der Glasfassade klebt. Dort ist man noch mal ein paar Meter höher als auf der Plaza und man schwebt sozusagen über dem Hafen.

Und dann ging es endlich los:
Unter dem Beifall des fast ausverkauften Hauses erschienen ca. 80 – 90 Musiker auf der Bühne, die Herren im Frack, die Damen in langen schwarzen Kleidern. Als alle an ihren Plätzen standen und auf das Zeichen des Konzertmeisters warteten, dass sie sich setzen sollten, war das schon ein besonderer Moment für mich und eine leichte Gänsehaut krabbelte über meinen Rücken. Kurz wurden die Instrumente gestimmt und dann erschien, ebenfalls unter Beifall, der Maestro Mariss Jansons. Er hob den Taktstock zur Sinfonie Nr. 1 von Dimitri Schostakowitsch, kein unbedingt leichtes Stück, aber doch hörbar. Zum ersten Mal offenbarte sich uns die Akustik des Großen Saales der Hamburger Elbphilharmonie. Ich bin kein Fachmann für moderne Klassik und für Akustik schon gar nicht, aber es hörte sich einfach nur bezaubernd an, in den leisen Klängen und Soli, ebenso wie in den großen und lauten Passagen der Sinfonie. Lang anhaltender Beifall und Bravorufe am Ende des 4. Satzes. Und niemand hat in den kurzen Pausen zwischen den Sätzen versucht, zu klatschen! Jubel hallte durch den Saal, als sich die Mitglieder des Orchesters dem hinter ihnen sitzenden Publikum zuwandten um sich für den von dort gespendeten Beifall zu bedanken.

Nach der Pause kam dann der Knackpunkt des Abends, „A Padmore Cycle“. Laut Programmheft bestand die instrumentale Besetzung u.a. aus Kuhglocke, Schleifpapier, Windmaschine, Kochtöpfe, Kuchengabeln, Ölfass und Stahlbürsten. Natürlich waren auch die üblichen Instrumente Teil der Komposition. Gesungen wurden die vertonten Gedichte vom Tenor Mark Padmore, für den der Komponist Thomas Larcher das Stück geschrieben hat.

Nach wenigen Takten, noch bevor der Tenor seine Stimme erhob, kamen mir Erinnerungen an „Hurz“ von Hape Kerkeling. Teilweise wurde der Gesang des Tenors vom Orchester überdeckt. Ob das nun der Akustik des Saales oder dem Dirigenten geschuldet war, der alles aus seinen Orchester herausholen wollte, mag ich nicht zu erkennen. Jedenfalls habe ich mich während der Darbietung weitgehenst darauf konzentriert, wie die Musikerinnen und Musiker agieren. Aber so ein Stück muss man sich eben auch mal antun. Man möchte bei Bedarf ja mitreden können. Außerdem konnte mein Mann sich ja nicht aussuchen, für welches Konzert er Karten bekam. Bei ihm kommt ja immer noch hinzu, dass er in seiner Freizeit eingschränkt ist. Den Beifall für Mark Padmore und den Komponisten Thomas Larcher, der ebenfalls am Ende des Stückes auf der Bühne stand, will ich mal als „freundlich“ bezeichnen.

Dann ging es leicht weiter mit La Valse von Maurice Ravel, ein anfangs recht heiteres Stück, welches nach und nach dann doch düster wird. Ich weiß nicht, inwieweit ich aus dem Programmheft zitieren darf, deshalb hier eine Beschreibung der Komposition und deren Hintergründe. Auch hier wieder, wie zuvor in den anderen Stücken, offenbarte sich die tolle Akustik des Saales. Es gab Passagen, da hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören, so ruhig und ergriffen lauschte das Publikum den Klängen. Nach drei Zugaben gab es berechtigte Standing Ovations im weiten Rund des Großen Saales für die tolle Leistung des Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks und seines Dirigenten Mariss Jansons.

Anschließend begaben wir uns nochmal auf die Plaza um den Hamburger Hafen und ein Teil Hamburgs bei Nacht anzuschauen. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir einem Konzert in der Elbphilharmonie beigewohnt haben. Aber es gibt wohl auch Leute, die aus Prinzip dieses Gebäude nie betreten werden – weil es eben so teuer wurde. Sie wissen nicht, was ihnen entgeht!

7 Gedanken zu „Die Elbphilharmonie

  1. Hans-Georg

    Bis auf den Cycle war es eigentlich ganz ok, und selbst dem konnten wir noch ein paar positive Takte abgewinnen.
    Danny, wir sind neidisch auf eure Oper!

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  2. Elke

    Toll, ich bin nicht nur ein büschen neidisch sondern ganz, ganz dolle – grün-gelb vor Neid. Nein, Quatsch, es sei Euch richtig gegönnt, aber ich wäre schon auch gerne dabei gewesen – trotz Musical ;-(
    LG und eine schöne Woche – Elke

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      1. Elke

        Oh je, ich Depp, hatte Dein Post wohl zu schnell gelesen und dachte, es handele sich um Musical-Musik. Sorry. Aber „Hurz“ – ob nun im Hape-Original oder nachgehurzt – ist immer lustig. LG Elke, das immer zu schnelle Modell 😂

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        1. Hans-Georg

          Lustig war’s nicht, eher gewöhnungsbedürftig. Aber wir sind ja ins Konzert gegangen mit dem Wissen, dass die Musik „moderne Klassik“ sein würde.

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  3. Ina

    wundervolle fotos, die auch die stimmung transportieren. super! vor allem hamburg bei nacht, atemberaubend schön! und die fotos von der elphi wirken sooooo einladend, wunderbar eingefangen.

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