Queerer Stollen

Stollen – das schien in meinen Kindertagen die Krönung weihnachtlichen Backwerks schlechthin gewesen zu sein. Oma backte immer Stollen, die eine Oma, die andere hat nicht gebacken, die kaufte immer in der Konditorei – soweit ich mich erinnern kann. Jedenfalls war das immer ein Ereignis wenn der Stollen angeschnitten wurde. Das war dann ähnlich so wie bei einer Weinprobe: Alle kauten darauf rum und fühlten mittels ihrer Geschmacksknospen nach, ob der Stollen denn nun gelungen war oder nicht. Wichtig war der Faktor Trockenheit. Und dann wurde diskutiert, warum der Stollen denn nun gerade so geworden ist, wie er geworden ist. Zu lange gegangen, zu kurz – zu lange geknetet oder nicht genug – liegt es am Mehl, war die Hefe vielleicht alt? Alle Jahre wieder! Mir war das immer ziemlich egal weil ich wegen der Nüsse oder Mandeln nie Stollen angerührt habe.

Aber es gibt auch ein Stollenrezept ohne Nüsse oder Mandeln, ich hab jedenfalls eins gefunden. Es ist ein Quarkstollen, den ich schon desöfteren gebacken habe. In diesem Jahr war ich ganz keck und habe mein Rezept etwas modifiziert mit Zutaten aus einem anderen Rezept. Da über dem Rezept „Topfenstollen“ steht, vermute ich, dass es mal in der Warmen Küche veröffentlicht worden ist, deshalb steht über diesem Beitrag ganz oben Queerer Stollen, also zusammengewürfelt aus je einem Rezept aus zwei schwulen Haushalten. So ein Stollen kann eben nur „queer“ sein. Ich könnte ihn auch Kubanischer Stollen nennen. Der Zuckerguss wurde nämlich mit echtem Kubanischem Rum angerührt. Mit etwas Lebensmittelfarbe hätte ich den Guss auch in Regenbogenfarben gestalten können. Zu spät für diese Saison. Vielleicht im nächsten Jahr. Und dann würde ich natürlich Mount Gay Rum nehmen

Man nehme zu meinem Grundrezept für einen Quarkstollen:
500 g Mehl
100 g Speisestärke
200 g Zucker
1 Tütchen Vanillinzucker
1 Tütchen Backpulver
3 Eier
250 g Magerquark (ich: 20-prozentigen)
200 g Butter
200 g Rosinen
1 Tütchen Zitronenschalenaroma
50 g gehacktes Zitronat

Aus dem Topfenstollenrezept, welches übrigens Mandeln enthält, habe ich zugegeben:
1 MS Kardamom
1 MS Muskat
1/2 Teelöffel Zimt

MS heisst in diesem Fall Messerspitze, nicht Motorschiff!

Die trockenen Zutaten miteinander vermengen, nach und nach alle anderen Zutaten dazugeben, dann alles schön kneten, was bei mir die excellente Küchenmaschine gemacht hat. Während die so vorsichhinknetet, kann man z.B. staubwischen.
Wenn man meint, der Teig sieht nun gut und gleichmäßig aus, den Batzen auf ein mit Backfolie belegtes Backblech klatschen, einen Stollen formen und ab damit in den auf 200 Grad (Umluft) vorgeheizten Backhofen, ca. 1 Stunde backen (Stäbchenprobe!)

Wenn der Stollen ausgekühlt ist, wird er mit Zuckerguss bepinselt:
2 EL guten Rum mit Puderzucker vermischen bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Wenn der Guss zu dünn oder zu dick geraten ist, stimmt mit deinem Gefühl was nicht.

Wie ich oben schrieb, habe ich Kubanischen Rum genommen. Nach der ersten Geschmacksprobe des Stollens könnte man auch von Kubanischem Stollen sprechen. *hicks*

9 Gedanken zu „Queerer Stollen

  1. Wolfi

    Du wirst es nicht glauben, mein Lieber…aber ich habe definitiv noch keinen Stollen gebacken! Auch nicht der Hase2! 🙂
    Wie man sieht: Nicht überall wo Topfen draufsteht ist die ‚Warme Küche‘ drin! *gg*

    Aber wir werden das sicher mal nachholen…Stollen ist was Herrliches. Natürlich *mit* Nüssen! *tststs*! 😉

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  2. Turbohausfrau

    Sehr schön schaut der Stollen aus! Ich sollte mich auch mal ranhalten, weil ich noch keinen gebacken habe.

    Einspruch erhebe ich gegen das Tütchen Zitronenaroma: einfach von einer Biozitrone die Schale abreiben. Schmeckt besser!

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    1. Hans-Georg

      Ich benutze gekaufte Finesse Geriebene Zitronenschale, „aus frischen Zitronen für besonders natürlichen Fruchtgeschmack“.
      Ich weiß, eine ordentliche Hausfrau reibt noch selbst.

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