MdB Brüderle kauft Adressen

Ich wunderte mich nicht schlecht, als ich heute im Briefkasten Post von Herrn Rainer Brüderle fand, seineszeichens Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion.

Herr MdB Rainer Brüderle schickt mir also einen 3 seitigen Brief. Was er von mir will ist unerheblich, doch will ich es kurz erwähnen: Die FDP will mit mir per Internet in einen Dialog treten über ein neueingerichtes Forum. Sollte das ein Aufbäumen sein, Wählerstimmen zu erheischen? Nicht mit mir!

Und schon gar nicht unter diesen Umständen. Ich frage mich nämlich, wo Herr Brüderle meinen Namen und meine Anschrift bekommen hat? Ich schwöre hoch und heilig, dass ich mit der FDP noch nie Kontakt hatte, weder verbal noch schriftlich. Und gespendet habe ich denen auch noch nie was. Wäre ja noch schöner.

Und plötzlich hat diese Lobbyistenpartei meinen Namen und meine Adresse? Ich wüsste zu gern, auf welchen krummen Wegen Herr Brüderle das erfahren hat? Die Angaben kann er doch nur gekauft haben!

Ich möchte zugern auf das Schreiben reagieren, aber auf das Heftigste. Per Email ist mir das zu suspekt, sonst krieg ich noch unerwünschte Werbung von denen. Und 55 Cent für einen Brief auszugeben, ist mir für diesen dummen Verein eigentlich zu schade.

Ach, wie interessant: Auf dem Antwortformular für den Beitritt zum Dialogforum steht ganz unten: „Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.“ Da sollte lieber stehen „an Vierte“. „Dritte“ ist in diesem Fall schon die FDP bzw. Herr Brüderle, MdB.

16 Gedanken zu „MdB Brüderle kauft Adressen

  1. Nickeneck

    Steck deine Antwort doch einfach in einen Umschlag, schreib die Adresse von Rainer drauf, den Absender vergisst du einfach auf den Umschlag zu schreiben und dann ab in den nächsten Briefkasten.
    Die Post schickt den Brief zur FDP, die zahlen Nachporto und Rainer bekommt deinen freundlichen Gruß.

    Wieso war eigentlich kein Freiumschlag für den Aufnahmeantrag dabei? Wenn dort nämlich ANTWORT drauf steht, muss der Empfänger generell zahlen.

    PS: Oder wirf einfach deienn Drucker an, schreib’ über die Adresse ANTWORT und dann in Briefkasten. Funktioniert eigentlich immer.

    Das war das! Best wishes.

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  2. karin

    mir hat er u.a. für meinen fleiss gedankt. ist doch nett. aber ich glaube, ich habe keine lust mich mit ihm auszutauschen.

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  3. Ossi

    Ich kenn ja die bundesdeutsche Rechtslage nicht im Detail, aber: Ist denn der Kauf von Adressen verboten? Da gibts doch spezielle Firmen, die Adressen sammeln, nach Zielgruppen sortiert auflisten und entsprechend vermarkten.

    Wenn Deine Adresse einmal legal in einen solchen Pool gekommen ist, kann jeder sie ebenso legal erwerben und verwenden, oder? (Da reicht schon die Teilnahme an einer Umfrage, an einem Gewinnspiel oder das Überlesen des §293 Absatz 7g in den AGBs irgendeines Online-Shops.)

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  4. Hans-Georg

    Grundsätzlich mag das so sein, Ossi. Aber sowas hat immer einen touch von unseriösität, und genau das sollten sich politische Parteien, die dazu noch an der Regierung beteiligt sind, verkneifen.

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  5. Frau Momo

    Mich würde ja interessieren, wovon er diesen Adressenkauf finanziert hat, wobei ich meine mich zu erinnern, das Parteien Adressen kostenlos von den Einwohnerämtern bekommen.
    Ich würde mir auch verbitten, von Herrn Brüderle Post zu bekommen. Da wäre mir ja Post vom Gerichtsvollzieher lieber. Na ja, fast jedenfalls.

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  6. dieselross

    Irgendwie gab es da doch ein informationelles Selbstbestimmungsrecht. Und irgendwie gibt es auch ein Verbot der werblichen Kontaktaufnahme ohne Vorliegen einer Geschäftsbeziehung. Jedenfalls gilt das, sobald der Empfänger den Absender einmalig aufgefordert hat, weitere Werbesendungen zu unterlassen. Wär’ doch schön, wenn die FDP jetzt größere Ressourcen freimachen müsste, um sicherzustellen, dass alle, die widersprochen haben, von denen keine Werbung mehr kriegen, oder? In diesem Sinne werde ich meine “Antwort” formulieren. 😉

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  7. Alfred Dumke

    Habe heute das Gleiche im Briefkasten gefunden. Da ich auch noch nie etwas mit diesem Verein zu tun hatte, kam mir der Verdacht, dass die sich die Adressen einfach aus den Internetseiten des Mittelstandes holen. Meine Adresse ist ja überall im Internet zu finden.
    Nur wussten die wohl nicht, dass ich kein Mittelständler bin, sondern Hartz IV Empfänger.

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  8. heiko-udor

    Habe eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht, damit dieser Vorgang untersucht wird. Abgesehen von dem Thema “Herkunft der Adressen” stellt sich auch die Frage, ob überhaupt die Symbole des Deutschen Bundestag im Briefkopf hierfür verwendet dürfen. Mal schauen, was dabei rauskommt.

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  9. Klemperer

    Heute, im April, bekam ich auch einen offiziell aussehenden Brief von “Rainer Brüderle, Mitglied des Deutschen Bundestages”. Reine Wahlkampfwerbung für die FDP, wie sich rausstellte. Gradezu unfaßbar dumm dann Passagen wie “es ist sozial ungerecht, immer mehr auszugeben”… Und dann kommt die übliche Verdummung, die allerdings 2009 ja immerhin rund 12,5% der Arbeitslosen zu FDP-WählerInnen gemacht hatte. (Bei den 56% niedergelassenen Ärzten, die 2009 FDP wählten, könnte man das noch verstehen, wenn ihnen eine 2/3-Gesellschaft lieb und recht wäre. Die Arbeitslosen, die “mehr netto vom brutto” tatsächlich auf sich bezogen, kann man weniger verstehen.) Auch die jetzige Masche zielt wieder darauf, so zu tun, als wär die FDP eine besonders soziale Partei, der es vor allem um Gerechtigkeit ginge. Insgesamt ganz miese, staatstragend aussehende Verzweiflung. Da Grüne, SPD, CDU/CSU aber eine ähnliche Politik vertreten, kann man Brüderle wieder verstehen, wenn er nicht ganz versteht, wo denn die vielen WählerInnen von 2009 geblieben sind. Die FDP hat sich nie verändert, sie bleibt die Lobbypartei der 2/3-Gesellschaft. Ehrlich gesagt wüßte ich auch gern, warum die Wähler von 2009 sie nun nicht mehr wählen, aber wenn ich welche frage, kommen nur gestammelte Floskeln.

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  10. Selket

    Hallo, ich hatte auch so einen Brief im November im Briefkasten und habe Herrn Brüderle zweimal (das zweite Mal mit Anschreiben) per Brief gebeten, die Herkunft meines Namens und Adresse mitzuteilen. Bisher erhielt ich keine Antwort. Daraufhin schrieb ich heute Briefe an den Datenschutzbeauftragten, den Bundestags- und den -Vizepräsident und den FDP-Vorsitzenden mit der Bitte, das zu prüfen. Das Porto ist es mir wert! Denn nur, wenn man das nicht einfach so hinnimmt, sondern hartnäckig verfolgt, tut sich auch was – hoffentlich.

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  11. Hans-Georg

    Hallo Selket!
    Wie das manchmal so ist, sind einem andere Dinge plötzlich wichtiger wenn der erste Rauch abgeklungen ist.
    Mich würde aber interessieren, ob du eine Antwort bekommst.

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