Dresden


Es war uns ja schon im vorigen Jahr nach unserem ersten Besuch in Dresden klar, dass es nicht der letzte sein würde. Kurz nach unserer Rückkehr entschlossen wir uns, unseren Müttern ein Fahrt nach Dresden mit einer Aufführung des Ballets La Bayadère in der Semper Oper zu Weihnachten zu schenken. Fix wurden die Karten gekauft und das Hotel gebucht. Wie wir gerade feststellten, war das 1 Jahr im Vorraus. Für uns dauerte die Vorfreude also ein ganzes Jahr während sich unsere Mütter 4 Monate auf den kleinen Tripp freuen konnten.

Am Donnerstag morgen machten wir uns also zu viert mit der Bahn auf den Weg nach Dresden. Die Anreise klappte fahrplanmässig und mit der uns bereits bekannten Bummelei der Bahn zwischen Berlin und Dresden.

Da unsere Mütter mit ihren 87 und 70 Jahren nicht mehr so gut zu Fuss unterwegs sind, hatten wir Zimmer im Hilton Hotel direkt neben der Frauenkirche gebucht, also recht zentral. Nach dem Einchecken nahmen wir erst mal ein feines Mittagessen gleich nebenan im Coselpalais zu uns. Das Wetter war so schön, dass wir draussen im Ehrenhof sitzen konnten.


Als Aperitif gab es eine Frühlingsbowle mit diversen frischen Früchten und aromatisiert mit Waldmeistersirup. Nach der langen Zugfahrt war das sehr erfrischend. Für mich war schon vorher klar, dass ich zum Nachtisch den Tülleisteller bestellen würde. Bei einem Ballettabend ist das doch ein absolutes Muss. Meine Mutter schloss sich dieser Meinung an während Bernd und seine Mutter lieben einen Mohrenkopfeisbecher bestellten.

Nach dem Essen zeigten wir den Damen ein wenig von der Altstadt, soweit es ihre Kräfte zuliessen. Eine erste Hürde war für sie der Treppenaufstieg zur Brühlschen Terrasse nahe der Akademie für Bildende Künste. Am anderen Ende gegenüber der Hofkirche ging es die Stufen wieder hinunter. Wir warfen einen Blick in den Schlosshof wo ich unseren Müttern erklärte, dass der Zierrat nicht gemauert oder geputzt ist, sondern gemalt. Eine ältere Dame raunzte mich an, dass es nicht gemalt sei. Statt uns zu erklären, um welche Art von „Malerei“ es sich denn handelt, ging sie grummelnd weiter. Entlang dem Fürstenzug, dem wohl grössten Porzellanbild de Welt, gingen wir dann zurück zum Hotel um uns für den Abend herzurichten.

Als wir uns gegen 17:00 Uhr wieder auf den Weg machen wollten, regnete es gerade. Den kleinen Schauer überbrückten wir in der gegenüberliegenden QF-Passage. Wir entdeckten dort ein Geschäft, in dem es Weihnachtsdeko zu kaufen gibt, u.a. sehr grosse beleuchtete Schwibbögen mit den bekannten Motiven aus der Dresdener Altstadt. Allerdings waren die Preise für unseren Geldbeutel leider nicht geeignet.

Auf unserem Weg zum Zwinger und zur Oper gerieten wir zwischen Hofkirche und Schloss in ein Schneetreiben. Dort fanden Filmaufnahmen statt und wir konnten sehen, wie am Set Kunstschnee erzeugt wird.

Im Zwinger konnten sich unsere Mütter auf einer Bank erholen während Bernd und ich einen kleinen Rundgang durch die Parkanlagen im Innenraum machten und hier und dort in die Fenster schauten.


Die Semperoper wird um 18:00 Uhr geöffnet. Vor der Oper warteten wir auf den Einlass.

Mit einem Getränk in der Hand kann man durch die Foyers lustwandeln oder auch – wie unsere fusslahmen Mütter – auf einer Bank sitzen und den Sekt schlürfen. Wir überzeugten sie dann doch, noch einen kleinen Rundgang zu machen bevor sie sich wieder in die weichen Polster fallen liessen. Als der Innenraum geöffnet wurde, begaben wir uns zu unseren Plätzen in der 4. Reihe im Parkett und warteten auf den Beginn der Vorstellung.

Das Ballett wurde uns mit der bereits bekannten Perfektion präsentiert. Besonders beeindruckend ist der Tanz der Schatten am Beginn des 2. Aktes. 24 Tänzerinnen erscheinen nach und nach auf der Bühne im perfekten Gleichklang. Diese Szene gilt in der Ballettwelt als eine schwersten überhaupt.

In der Pause verzichteten wir auf den obligatorischen Sekt und warfen stattdessen einen Blick in den riesigen Orchestergraben. Eine Schätzung ergab, dass ca. 40 Musiker an der Aufführung beteiligt waren.


Am Ende der Vorstellung spendete das Publikum starken Beifall um die grossartige Leistung der Tänzerinnen und Tänzer zu würdigen.

Wenn man nach der Vorstellung die Oper verlässt, sieht man vor sich die Hofkirche und rechts den Semperbau des Zwingers. Die alten Gebäude der Stadt waren jetzt individuell beleuchtet in Szene gesetzt. Einmal noch umdrehen und dann hat man die beleuchtete Semperoper vor sich, beeindruckende Ansichten, die bei mir eine Gänsehaut hervorriefen.


Im Bistro unseres Hotels nahmen wir noch einen kleinen Imbiss ein. Danach gingen unsere Mütter schlafen. Bernd und ich machten noch einen Rundgang durch die illuminierte Altstadt und machten ein paar Aufnahmen.

Bei einem Café auf der Brühlschen Terrasse hörten wir das Klingeln eines Handys. Das Café war geschlossen und weit und breit war Niemand zu sehen, dem ein Handy zugeordnet werden konnte. Zwischen den Stühlen und Tischen, die draussen standen, suchten wir die Quelle des Geräusches, welches gerade verstummte, als wir kurz davor waren. Wir entdeckten es dann aber doch. Mit Hilfe der Anruferliste wählte ich die letzte Nummer. Es meldete sich eine Dame, der das Handy gehörte. Da sie etwa 30 Minuten ausserhalb von Dresden wohnt, vereinbarten wir, dass wir das Handy im Hotel an der Rezeption abgeben, wo sie es am nächsten Tag abholen wollte.

Am Freitagmorgen gab es ein reichhaltiges Frühstück, von dem wir reichlich zu uns nahmen. Schliesslich musste eine 4-1/2-stündige Heimfahrt mit der Bahn überbrückt werden.

Bevor uns das Taxi zum Banhhof brachte, machten Bernd und ich einen letzten Rundgang. In der Morgensonne glänzten die Verzierungen und Figuren an und auf der Akademie für Bildende Künste. Und uns war klar: Dresden, wir kommen wieder!


Auch unsere Mütter waren begeistert von unserer kleinen Reise. In der Kürze der Zeit und für ihre körperliche Verfassung angemessen haben wir ihnen ein nettes kleines Programm geboten.

Vielleicht trete ich nun einigen Lesern, Besuchern oder Einwohnern Dresends auf die Füsse:
Bei diesem Besuch in Dresden ist mir klar geworden, dass ich die Hofkirche viel interessanter finde als die Frauenkirche. Natürlich zolle ich denen Respekt, die es geschafft haben, die Frauenkirche aus Trümmern zu rekonstruieren. Und die Skyline Dresdens, von der gegenüberliegenden Elbseite aus gesehen, wäre um einiges ärmer, würde es die Frauenkirche nicht geben. Trotzdem bleibt für mich die Hofkirche die Kirche überhaupt. Es liegt vielleicht auch daran, dass sich die Hofkirche nahtlos in das Gesamtensemble einfügt und sie an einer exponierten Stelle steht während die Frauenkirche in ihrer Umgebung aufgrund der umgebenden Bebauung schon fast wie ein Fremdkörper wirkt.

Trotzalledem – Dresden ist ein Kunstwerk, selbst der Bahnhof.

13 Gedanken zu „Dresden

  1. Frau Momo

    Schöne Eindrücke aus Dresden. Ich war da ein einziges Mal, lange vor dem Mauerfall und hab keine wirklich schönen Erinnerungen. Aber wenn ich deine Bilder so sehe, sollten wir das auch mal als Ziel in Betracht ziehen.

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  2. Lutz & Tommy

    Nachdem Lesen dieses tollen Berichtes über Euren Dresden- Trip, haben wir fast den Eindruck doch dabei gewesen zu sein.
    Außerdem müssten sich die Touristikverantwortlichen unserer Stadt langsam mal bei Euch für die wunderbare Werbung bedanken… 😉

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  3. Hans-Georg

    @Lutz & Tommy:
    Danke für das Kompliment.
    Bei den vielen Menschen, die in eure schöne Stadt kommen, hat die Tourismuszentrale es doch gar nicht nötig, sich erkenntlich zu zeigen.

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  4. Hans-Georg

    @Danny:
    Vielen Dank für die Aufklärung. Beide Begriffe habe ich inzwischen auch im Internet gefunden. Es wäre nett von der Dame gewesen, uns vor Ort aufzufklären wenn sie schon gehört hat, was ich unseren Müttern erklärte.
    Den offiziellen Namen der Kirche habe ich inzwischen auch gefunden. Allerdings finde ich den inoffiziellen alten Namen schöner.

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  5. April

    Stell’ dir vor, ich war noch nie in Dresden, habe aber jetzt schon mal einen schönen Eindruck von den Hauptsehenswürdigkeiten.

    Dann verstehen sich eure beiden Mütter also gut? Das finde ich toll.

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  6. Hans-Georg

    @April:
    Ich bin sicher, dass Dresden dir gefallen würde. Du solltest aber versuchen, eine Zeit zu wählen, in der nicht so viele Leute dort sind. Die Frage ist, ob es überhaupt so eine Zeit gibt.
    Ja, unsere Mütter verstehen sich sehr gut obwohl sie aus ganz verschiedenem Holz geschnitzt sind.

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  7. Stefan

    Ob sich die Dame mal Gedanken macht, dass sie mir ihrer unhöflichen Art bei Touristen einen schlechten Eindruck über „die“ Dresdner hinterlässt. Ich finde so etwas unmöglich. Ich hoffe, ihr habt genug nette Dresdner kennengelernt, die den Fauxpas wieder gut gemacht haben. Im Schloßhof wird die Sgraffito-Technik angewandt. Dabei werden unterschiedlich farbige Putze aufgebracht und die Verzierungen durch Kratztechnik (also das lokale Abtragen der oberen Putzschicht) erzeugt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sgraffito

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