Das Klavier schleppt!

Diese Worte sagt Florence Foster Jenkins während der Proben zu ihrem Pianisten. Florence Foster Jenkins, eine reiche Amerikanerin, die trotz wochenlanger Proben ihrer ach so geliebten Arien keinen Ton trifft und doch von ihrer Sangeskunst überzeugt ist.

Gestern Abend stand Desiree Nick als Florence Foster Jenkins auf der Bühne des St. Pauli Theaters in dem Stück Souvenier. Selten habe ich so gelacht im Theater – und doch, am Ende bleibt einem das Lachen im Hals stecken: Florence Foster Jenkins erkennt bei der letzten Zugabe ihres legendären Konzerts in der New Yorker Carnegie Hall, dass sie vom Publikum ausgelacht wird. Enttäuscht bricht sie zusammen. Ihr Pianist Cosme McMoon hat Mühe, die Frau mit Worten wieder aufzurichten. Völlig derangiert reisst sie sich die Perücke vom Kopf. Darunter kommt eine alte Frau mit dünnem grauen Haaren, ja fast Glatze, zum Vorschein, bizarr traurig, mitleiderregend.

Florence Foster Jenkins konnte wirklich nicht singen. Es muss eine Kunst sein, bewusst falsch zu singen. Das gelingt Desiree Nick vortrefflich. Und nicht nur das: Die Frau kann grosses Theater spielen, was sich ganz besonders in der Schlussszene zeigt.

Den Pianisten Cosme McMoon spielt Christoph Schobesberger. Er begleitet Desiree Nick, manchmal dem Wahnsinn nahe, am Flügel und führt mit begleitenden Worten durch den Abend.

Wir sind nicht ins Theater gegangen, um Desiree Nick zu sehen. Ich habe die Karten gekauft, um die falschen Töne von Florence Foster Jenkins zu hören und einen vergnüglichen Theaterabend zu haben. Aber Desiree Nick ist perfekt für diese Rolle.

Inspiriert zu diesem Theaterabend wurde ich übrigens von der Warmen Küche. Dort habe ich auch das Bild geklaut.

2 Gedanken zu „Das Klavier schleppt!

  1. Wolfgang

    war vergnüglich, gell? Doch – wie Du richtig beschrieben hast – auch ‘schockierend’ bzw. mitleidserregend…
    ich fand ‘die Nick’ auch perfekt passend für diese ‘überkandidelte’ Person… super Wahl. und wegen dem Bild: kein Problem! Gerne wieder! 😉

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