Archiv für den Monat: Februar 2003

Gedanken

In der Firma war die Sache mit Kapitän B. auch heute noch Gesprächsthema. Keinen von uns hat sie kalt gelassen. Wir kennen ihn seit vielen Jahren und waren mit seiner fachlichen Leistung immer sehr zufrieden. Ich fragte mich, ob ich den Stein tatsächlich ins Rollen bringen musste. Ja, ich musste – zum Schutz von Menschenleben! Wenn tatsächlich auf dieser Reise oder später etwas auf Grund seines Alkoholkonsums passiert wäre und ich hätte gestern nichts gesagt, dann würde ich damit fertig werden müssen. Und wenn ich dann sagen würde: Ja, damals …. – dann hätte ich die Vorwürfe bekommen: Warum hast du das denn nicht gesagt?

Rausschmiss

Unsere Kapitäne rufen uns jeden Morgen an wenn sie im Hafen sind und berichten über die aktuelle Lage. So auch heute Morgen Kapitän B. Eigentlich ist Steffi für ihn zuständig, aber sie war nicht am Platz. „Meine“ Kapitäne kenne ich natürlich recht gut und weiss sofort wenn sie anrufen, wie sie drauf sind und ob es Probleme gibt. Mit den anderen spreche ich eher selten.

Von Kapitän B. hatte ich heute Morgen einen ganz merkwürdigen Eindruck: Teilweise sprach er recht unverständlich. Ich hätte meinen können, er sei betrunken. Nun, es ist schwierig, so etwas zu beurteilen, besonders deshalb, weil ich ihn nicht so gut kenne. Ich beliess es bei meinem Eindruck und machte nichts weiter daraus. Später am Morgen rief er wieder an und telefonierte mit Steffi. Ihr war nichts besonderes aufgefallen, nur dass er sehr gesprächig war. Eine Weile später, Steffi war nicht am Platz, rief Kapitän B. zum dritten Mal an. Der Eindruck, dass er betrunken war, verstärkte sich. Ich ging zur Personalabteilung und bat darum, an Bord unter einem Vorwand anzurufen um meine Vermutung zu testen. Das Telefon wurde auf Lautsprecher geschaltet. Es war ganz eindeutig: Kapitän B. war betrunken. Teilweise war gar nicht zu verstehen, was er sagte. Ausserdem waren seine Antworten total sinnlos. Das Schiff war unter seinem Kommando gerade aus dem italienischen Hafen Gaeta ausgelaufen und auf dem Weg nach Garrucha in Spanien. Es war also nicht möglich, ihn noch in Gaeta abzulösen. Er rief noch mehrere Male an und redete wirres Zeug, er hatte inzwischen mitbekommen, dass da was lief. Sein 1. Offizier und sein 1. Maschinist hatten uns bestätigt, dass er betrunken war.

Die Personalabteilung schickte ein Telex an Bord mit dem er seine fristlose Kündigung erhielt. Das Kommando wurde ihm entzogen und auf auf den 1. Offizier übertragen. In Garrucha wird Kapitän B. am Sonntag von einem anderen Kapitän abgelöst.

Sein Verhalten ist unverantwortlich und gefährdet in erster Linie das Leben der ihm anvertrauten Besatzung. Des Weiteren ist er natürlich verantwortlich für die Millionenwerte von Schiff und Ladung. Es ist nicht auszudenken, was alles passieren kann wenn ein Kapitän betrunken ist.

Ganz laaaangsam …

… wird es auch bei uns im Norden ein wenig wärmer. Leute sitzen auf den Balkons und in der Langen Reihe in den Strassencafès, zwar noch dick eingepackt in Winterkleidung, aber immerhin, man sitzt wieder draussen.

Aber wie das immer so ist: Zum Wochenende hat die Wettervorhersage wieder Regen angesagt.

Ausklang

Nachdem wir Frank zum Flughafen gebracht hatten, machten wir es uns zu Hause auf dem Sofa gemütlich, kuschelten, schauten den Film „Stuart Little“. Das ist zwar nicht sehr tiefsinnig, aber wenn man müde ist und nach so viel Kultur ist es genau passend. Bernd war so müde, er ist während des Films schon eingeschlafen.

Ein Wochenende mit Frank ist immer schön, auch wenn Besuch in unserer kleinen Wohnung etwas anstrengend ist. Aber Frank ist ein sehr angenehmer und pflegeleichter Gast, den wir gerne bei uns haben.

Die Bühne

Der Bühnenmeister holte uns an der Pforte ab und führte uns zur Bühne. Beeindruckt von deren Grösse führte er uns herum, erklärte hier und da und beantworte unseren Fragen. Die eigentliche Bühne ist sehr viel breiter als vom Zuschauerraum zu erkennen ist. Auf den sogenannten Seitenbühnen wird ein Teil der Ausstattung gelagert und befinden sich Räume, in denen sich die Darsteller während der Vorstellung umziehen. Für mich sah alles sehr chaotisch aus. Hier standen die Kessel für die Maschinenraumszene, dort der gedeckte Tisch für die Szene „First class dinner“. Die Damasttischdecke für 4.000 Euro hatte schon ein paar Flecken und abgenutzte Ecken. Der Tisch war fertig gedeckt und brauchte für die entsprechende Szene nur noch in Position geschoben werden. Die Teller sind aus original Wedgwood Porzellan aus England, die Gläser aus echtem Kristall. Es ist unglaublich, auf welche Details hier Wert gelegt wurde.

Der Flügel stand irgendwo dazwischen. Uns wurde erzählt, dass die Tastatur für den Untergang des Schiffes aus dem Flügel entfernt wird damit er nicht so schwer ist wenn er durch den Salon rutscht. Er könnte auf Grund der Schräglage die Stabilität verlieren, hochklappen und dabei den Schiffbauingenieur erschlagen – was schon Mal fast passiert wäre weil vergessen wurde, die Tastatur herauszunehmen.

Die Kostüme sahen in dem fahlen Neonlicht nicht annähernd so luxuriös und schön aus wie auf der Bühne, wenn sie ins rechte Licht gerückt sind. Alles ist in Handarbeit hergestellt, ein Kleid für die „Cardoza“ handbestickt – alle Kostüme zusammen sollen 700.000 Euro gekostet haben!

Es war beeindruckend und interessant, alles aus nächster Nähe anzusehen und erklärt zu bekommen, wie dies und das funktioniert und gemacht wird – alles das, was dazugehört, weswegen wir Fans von Titanic geworden sind.

Titanic

Wir hatten Frank ja überredet, wenn er schon nach Hamburg kommt, sich ausser Mamma Mia auch noch Titanic anzusehen. Um 13.00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Theater neue Flora. Bernd hatte die Idee, vor der Vorstellung noch einen seiner ehemaligen Kollegen zu treffen und zu fragen, ob wir uns nach der Aufführung auf der Bühne umsehen dürfen. Während Bernd versuchte, im Backstagebereich diese Idee in die Tat umzusetzen, kaufte ich mir ein Titanic-Polo-Shirt. Das mag verrückt sein, aber ich bin nun Mal Fan.

Bernd brachte uns die freudige Nachricht, dass wir uns nach der Vorstellung den Bühnenbereich ansehen dürfen. Ausserdem hatte er erfahren, welche Strapazen das Ensemble und die Helfer und Begleiter auf sich genommen hatten, um wenige Minuten bei „Wetten dass“ aufzutreten: Abfahrt mit dem Bus nach Berlin am Samstag früh um 02.00 Uhr und zurück nach Hamburg heute früh um 02.00 Uhr. Ankunft in Hamburg heute Morgen um 06.00 Uhr. Und um 14.00 Uhr schon wieder auf der Bühne für die Nachmittagsvorstellung! Meine Hochachtung!

Die Vorstellung war wieder vortrefflich. Den Darstellern war nicht anzumerken, was sie hinter sich hatten. Im 2. Akt ist ein wunderschönes neues Stück dazugekommen, ein Duett von zwei 3.-Klasse-Passagieren, die sich auf dem Schiff kennen und lieben gelernt haben.

Am Schluss der Vorstellung liefen mir wieder die Tränen, und das noch beim 3. Mal Titanic! Auch Frank war sichtlich beeindruckt, bewegt und überwältigt.

Mamma Mia und Titanic an einem Wochenende – welch ein Kontrast!

Frank

Wir waren dabei wach zu werden, es war halb acht, als wir Geräusche aus dem Treppenhaus hörten. Gespannt warteten wir, an welcher Tür die Schritte enden würden. Es war unsere Wohnungstür, Frank kam nach Hause. Wir schauten ihn wohl breit grinsend an. Er machte einen recht frischen Eindruck. Kurz erzählte er uns, wo er gewesen war. Dann verschwand er im Schlafzimmer. Bernd und ich standen auf, machten den Abwasch und setzten uns dann vor den Fernseher.

Zur freien Verfügung

Nach dem späten und reichhaltigen Frühstück wollte Frank in die City und ein wenig bummeln. Für mich war es auf Grund meiner Erkältung ratsam, zu Hause zu bleiben um mich ein wenig auszuruhen. Aber Bernd erklärte sich bereit, Frank zu begleiten.

Nach 3 Stunden waren sie zurück und hatten Kuchen mitgebracht, den wir zu einer Tasse Cappuccino verspeisten. Anschliessend musste Frank erst Mal ein Ruhestündchen einlegen und verzog sich ins Schlafzimmer.

Bernd hatte mir schon den ganzen Tag durch körpernahe Gesten zu verstehen gegeben, dass noch etwas passieren würde. Und tatsächlich: Kaum dass die Schlafzimmertür geschlossen war, zog er mich an sich. Tja, und dann mussten wir ins Badezimmer ausweichen. Unser Schlafzimmer liegt direkt neben dem Wohnzimmer. Unsere weiteren Aktivitäten hätten vielleicht Frank auf den Plan gerufen. Und ausserdem: Ein wenig Abwechslung hat noch nie geschadet.

Wir waren gerade im zurück im Wohnzimmer als Frank auch schon wieder erschien. Glück gehabt!

Am Abend schauten wir gemeinsam „Wetten dass“. Für Frank war das schon eine kleine Einstimmung auf das, was ihn am nächsten Tag erwartete: Titanic. Das gesamte Ensemble war nach Berlin gereist, um dort bei „Wetten dass“ ein Medley aufzuführen. Und klar doch, dass Bernd und ich als Titanic-Fans das auch sehen mussten.

Frank hatte am Abend ein Verabredung und verliess uns später. Er tauchte nicht wieder auf bis wir schlafen gingen. Na ja, das ist ja auch in Ordnung so, es war ja der Tag zur freien Verfügung.

Mamma Mia

Frank wurde alleine wach. Wir machen uns dann alle „ausgehfertig“. Um 16.30 Uhr waren alle komplett versammelt: Margreth – Bernds Mutter, Melli und ihre Eltern und Oliver, Frank, Bernd und ich. Wir machten uns auf den Weg ins Bellini. Das Essen war wieder gut und reichlich. Die Zabaione zum Nachtisch war perfekt zubereitet.

Mit der U-Bahn ging es bis zur Station St. Pauli. Dort gegenüber befindet sich das Operettenhaus, in dem das Musical „Mamma Mia“ gespielt wird. Bernd fand heraus, dass die musikalische Leitung Sebastian de Domenico hat, unser Chorpianist, der uns leider nach dem Chorfestival in Zürich verlassen wird. In der Pause und nach der Vorstellung konnten wir ein paar Worte mit ihm wechseln.

Das Musical ist ein Knaller: Die Abbasongs mit den deutschen, der Handlung entsprechenden Texten, fügen sich harmonisch ein. Die Handlung ist spritzig und witzig, enthält aber doch ein paar tiefgründige Szenen, die einen nachdenklich machen. Die Hauptrollen waren schauspielerisch und gesanglich hervorragend besetzt. Am Schluss gab es Standing Ovations. Ein Teil es Publikums tanzte bei den Zugaben mit. Gehen wir wieder hin? Aber sicher doch – wenn es nur nicht so teuer wäre!

Besuch kommt

Nach einer unruhigen Nacht, verursacht durch meine Erkältung, sind wir schon früh aufgestanden und haben ein paar kleine Dinge in der Wohnung erledigt. Danach mussten wir für das Wochenende einkaufen. Vorher warf ich noch einen Blick auf den Flugplan von Frank: Er soll doch schon um 12.20 Uhr ankommen. Also nichts wie los, erst zu Aldi und dann zu Marktkauf nach Wilhelmsburg. Kurz nach 11.00 Uhr waren wir wieder zu Hause. Schnell wurden die Einkäufe verstaut und sofort ging es zum Flughafen um Frank abzuholen. Die Maschine aus München landete pünktlich. Gegen 13.00 Uhr waren wir zu Hause. Es gab einen kleinen Imbiss. Anschliessend legte Frank sich in ein wenig hin um sich für den Abend auszuruhen. Wenn er bis dahin nicht alleine wach wird, sollten wir ihn kurz vor 16.00 Uhr wecken.