Archiv für den Monat: April 2002

Unterschrift

Heute Abend meldete sich unser Hausverwalter mit der Nachricht, dass der Mietvertrag für unseren Laden in Lübeck unterschrieben worden ist!!! Jetzt wird er den Architekten endgültig mit den Umbauarbeiten beauftragen. Wir hoffen, dass während der Arbeiten keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten auftreten, die zu Verzögerungen und Mehrkosten führen. Ende August soll dann die Eröffnung sein. So viel will ich im Moment verraten: Es wird ein Geschäft für Outdor-Artikel.

Müder Sonntag

Es ist erstaunlich: Wir waren erst um 01:30 Uhr heute Morgen im Bett, trotzdem waren wir zu unserer gewohnten Zeit wieder wach. Nach ein paar Kuscheleinheiten, die ich hier nicht näher beschreiben möchte, stand ich schon um 08.00 Uhr unter der Dusche, müde und mit einem leichten Brummschädel.

Lustlos erledigten wir den Abwasch von unserem gestrigen Abendessen. Danach starteten wir unsere Rechner. Zuerst prüfte ich Email-Eingänge und Statistiken für meine Homepage. Dann schaltete ich ICQ ein. Nach ein paar Minuten ging Peter online. Peter habe ich über ICQ kennengelernt. Im Laufe unser Gespräche stellte sich heraus, dass er ganz in unserer Nähe wohnt. Wir gehen in den gleichen Geschäften einkaufen, getroffen haben wir uns aber noch nie.

Peter erzählte mir, dass er mit seinem Internetanschluss zu Hansenet wechselt. Dazu kann ich ihn nur beglückwünschen.

Um 14.00 Uhr war eine Extraprobe vom Chor angesetzt. Langsam muss ich mich auch in das neue Programm einarbeiten und ich musste teilnehmen. Zum ersten Mal hörte ich 3 Stücke aus dem neuen Programm. Ich bin begeistert!

Meine Anwesenheit war nur für ein Stück erforderlich. Die andere Zeit konnte ich zusehen bzw. zuhören. Leider war es etwas kalt im Probenraum. Die Sänger konnten sich ja warmarbeiten, aber ich fror. Nach Hause zurückgekehrt hab ich erst Mal eine heisse Brühe getrunken.

Den Abend verbrachten wir auf dem Sofa um uns den Film „Ritter aus Leidenschaft“ anzusehen. Am Tag vorher hatten wir ihn uns auf DVD gekauft, genau das Richtige für diesen Abend: Anspruchslos.

Strassenfest

Die Serie der Strassenfeste in Hamburg wird traditionell eröffnet mit dem Strassenfest in der Langen Reihe im Stadtteil St. Georg. Die Strasse „Lange Reihe“ wird gerne als „Schwule Meile“ Hamburgs bezeichnet. Es gibt dort ein paar Cafes, Bars und Geschäfte, die viel von Schwulen besucht werden. Sie sind aber nicht alle „rein schwul“. Viele Schwule wohnen hier und in den umliegenden Strassen – wie unschwer an den Regenbogenflaggen an Balkonen und Fenstern zu erkennen ist.

Das Strassenfest ist kein schwules Strassenfest. Aber es hat eine schwule Ecke: Am einen Ende der Strasse sind die Getränkestände einiger schwuler Wirte. Dort ist es immer am vollsten und dort trifft man die meisten Freunde.

Bernd und ich stellten uns an den Stand vom Willi’s. Es dauerte nicht lange und die ersten Chormitglieder kamen vorbei. Mit Peter haben wir uns ziemlich lange unterhalten. Später kamen noch Freunde von uns, SMIGS und sein Freund Klaus, Tobi und Volker aus Oberhausen und noch ein paar mehr. Wir tranken ein paar Bier zusammen und haben uns nett unterhalten.

Zusammen mit Tobi und Volker wollten wir anschliessend noch ins „Black“. Die schwule Lederdisco liegt in unmittelbarer Nähe der Langen Reihe. Es war vorauszusehen, dass es in dieser Nacht ziemlich voll sein würde. Wir zahlten jeder 5 Euro Eintritt und dann konnten wir unsere Jacken nicht loswerden, weil die Garderobe voll war. Zum „Black“ gehört noch das „Zips“ – wir wurden mit unseren Jacken dorthin geschickt. An der Garderobe stand eine lange Schlange. Die Schwester, die die Jacken annahm war offensichtlich damit überfordert. Vor uns standen etwa 5 Leute und 10 Minuten passierte gar nichts.

Bernd schaute mich an. Ich fragte: „Was denkst Du?“ – „Das gleiche wie Du: Links rum und raus.“ – Wir standen genau neben dem Ein- bzw. Ausgang. In der Tat war das auch meine Idee gewesen. Wir verabschiedeten uns kurz von unseren Freunden und schon waren wir auf dem Weg durch die Nacht nach Hause.

Müde

Viel zu früh wurden wir vom Wecker geweckt. Die lange Nacht und etwas Alkohol machten sich bemerkbar. Aber die Arbeit rief – da gibt es kein Pardon.

Zum Glück lief in der Firma alles normal. Nur Routinearbeiten waren zu erledigen und es gab keine Probleme. So richtig munter wurde ich den ganzen Tag nicht.

Auch Bernd war müde als ich nach Hause kam. So früh wie lange nicht, nämlich um 22.30 Uhr gingen wir ins Bett und schliefen gleich ein.

Firmenjubiläum

Heute war ich eingeladen zu einer Feier anlässlich eines 25-jährigen Firmenjubiläums. Eigentlich war das Jubiläum schon im vorigen Jahr. Es sollte am 18. September 2001 gefeiert werden. Doch auf Grund der Ereignisse in den USA wurde die Feier abgesagt, besonders auch deswegen, weil es Filialen dieser Firma rund um den Erdball gibt und Gäste aus aller Welt eingeladen waren. Es handelt sich um eine Firma, die weltweit Treibstoffe (Bunkeröle) für die Schifffahrt verkauft.

Die Feier wurde also gestern nachgeholt. Der Veranstaltungsort, der „Palmspeicher“, liegt im südlichen Hamburg, in Hamburg-Harburg und ist ein Restaurant. Dorthin gelangten wir mit Hafenbarkassen, Abfahrt war an den Landungsbrücken.

Für die Fahrt war ca. 1 Stunde eingeplant. Kurz vor dem Ziel mussten wir eine Schleuse passieren, vor der wir etwa 30 Minuten warten mussten. Ein kleines Frachtschiff kam aus dem Hafen und blockierte die Schleuse.

Die Barkassen konnten direkt am Speicher anlegen. Wir wurden von ein paar schrillen Gestalten in Empfang genommen. Drei trugen schwarze Anzüge, weisse Handschuhe und waren maskiert. Einer führte einen Fisch an der Leine spazieren, ein Anderer lief aufgeregt umher und rief „Very Important Persons please follow me!“ Von diesen Leuten wurden wir in den Speicher geleitet.

Im Inneren befinden sich 2 grosse Räume. Die Fenster waren abgedunkelt. Sphärische Musik erfüllte die Räume, dazu gab dezente Lichteffekte und Projektionen.

Nach den üblichen Reden begann eine Reise um die Welt. Während die Gäste sich am Buffet bedienten, an Tischen sassen oder in kleinen Gruppen standen und sich unterhielten, wurde ostasiatische Musik gespielt. Dazu gingen passend gekleidete Asiatinnen durch die Räume. Auf einer kleinen Bühne verrenkte eine Artistin gekonnt ihren Körper.

Die Reise ging weiter zum Orient. Die Musik wechselte entsprechend und Bauchtänzerinnen traten auf. Weiter ging es nach Europa. Ein Männerchor parodierte Opern, vorwiegend sang er aus „Carmen“. Vermutlich deshalb, weil die Firma ein Büro in Madrid hat.

Die Reise führte uns weiter nach Amerika. Ein Elvis-Imitator trat auf, danach Cheerleader, 2 Gruppen mit je 6 Mädchen.

Kurz vor Mitternacht wurden an die Gäste grosse Wunderkerzen verteilt. Zu den Klängen des Gefangenen-Chores aus der Oper „Nabucco“ wurde draussen ein Bodenfeuerwerk gezündet. Die Gäste standen mit den brennenden Wunderkerzen dabei. Ein schöner Anblick.

Anschliessend ging die Reise weiter nach Südamerika. Eine Trommlergruppe trat auf, dazu tanzten Sambatänzerinnen durch die Räume. Es wurde Caipirinha serviert. Damit war die Reise beendet.

Wer wollte konnte dann noch zu Discomusik tanzen.

Mittlerweile war es 01.00 Uhr. Ich ging zum bereitstehenden Shuttlebus, der uns in die Hamburger City bringen sollte. Von dort nahm ich ein Taxi und war um 01.30 Uhr zu Hause. Bernd hörte mich kommen. Es geht ihm so wie mir: Wenn einer von uns Beiden nicht da ist, kann der Andere nicht richtig schlafen. Aneinandergekuschelt sind wir dann schnell eingeschlafen.

Besuch in Lübeck

Heute habe ich mein Geburtstagsgeschenk bei meinen Eltern abgeholt, ein Buttermesser von Stelton. Ich hatte es mir gewünscht. Stelton macht wunderschöne Gebrauchsgegenstände, sehr schlicht aber ansprechend.

Wie es üblich ist bei Muttern, gibt es viel zu essen. Wir waren bereits zum Mittagessen dort. Es gab Schweinebraten und Gemüse, zum Dessert Eis. Später noch eine selbstgebackene Torte. Na ja, sie kennt mich halt. Für Torte war ich schon immer zu haben.

Meinem Vater geht es zum Glück etwas besser. Sein Knie wurde punktiert. Er kann sich jetzt wieder etwas besser innerhalb der Wohnung bewegen. Heute ist er sogar schon mal wieder draussen gewesen. Ich bewundere seine Ausdauer und seine Stärke.

Schweren Herzens hat er sich dazu entschlossen, seine Yacht zu verkaufen. Er wäre eventuell zwar in der Lage, sich im Sommer auf der Yacht aufzuhalten und dort zu leben. Aber durch seinen Schlaganfall ist er nicht mehr in der Lage, notwendige Arbeiten selbst zu verrichten. Er müsste immer Jemanden fragen, es für ihn zu machen. Ich kann verstehen, dass er das nicht möchte. Seine erste kleine Motoryacht hat er zusammen mit meinem Onkel 1955 gebaut. Seit dem war er mit meiner Mutter im Sommer jedes Wochenende an der See. Und jeder Sommerurlaub wurde dort selbstverständlich verbracht. Auch für mich war es eine schöne Zeit.

Der Entschluss, die Yacht zu verkaufen, ist ihm bestimmt nicht leichtgefallen. Eine Aera, die unsere Familie und unser Leben geprägt hat, geht nach fast 50 Jahren zu Ende!

Überraschung

Plötzlich klingelte es an der Tür. Eine Dame, die hier im Haus wohnt, brachte mir ein Paket, dass sie angenommen hatte, als wir nicht zu Hause waren. Endlich kommt meine Jacke, die ich bestellt hatte – dachte ich. Aber sie war es nicht. Es war ein Paket aus Amerika, von unseren neuen Freunden, die mir bei der Übersetzung des Tagebuchs in englisch helfen. Das Paket war zwar angekündigt, ich hatte aber nicht mehr daran gedacht.

Larry und Gary schickten uns einen Weihnachtsstiefel aus Stoff, bestickt mit Bärenmotiven und mit dem Namen „Hans“. Diesen Stiefel hatten sie ein Mal für ihren Hund angefertigt, der Hans hiess und im vorigen Jahr verstorben war. Sie hatten schon länger nach einem würdigen Nachfolger für diesen Weihnachtstiefel gesucht, schliesslich sollte der Name auch passend sein. Nun meinten sie, mit mir die richtige Person gefunden zu haben. Das Teil ist wirklich niedlich und passt zu unserer Bärensammlung.

Ausserdem enthielt das Paket noch 2 Jeanshemden, bestickt jeweils mit einem Bären und einem Elch und auf einem Ärmel sind unsere Namen eingestickt: Mein Name steht auf dem Hemd mit dem Bären, Bernd steht auf dem Hemd mit dem Elch. Es war wie Weihnachten. Es sind wirklich hübsche Hemden, nicht kitschig, wirklich gut. Larry hatte zwar „shirts“ angekündigt, aber ich dachte eher an T-Shirts. Überraschung gelungen!

Übersetzung

Ich habe damit begonnen, mein Tagebuch für meine internationalen Gäste in Englisch zu übersetzen. Es ist schwieriger als ich gedacht hatte. 1. Ist es ziemlich umfangreich – 2. Mir wurde bewusst, dass ich doch Probleme mit dem allgemeinen Englisch habe.

In der Firma muss ich täglich Englisch sprechen und schreiben. Es handelt sich aber ja immer um die gleichen Dinge. Und das habe ich drauf und kann ich im Schlaf.

Glücklicher Weise habe ich durch meine Homepage ein Freundespaar aus Amerika kennen gelernt, Larry und Gary. Seit ein kurzer Zeit korrespondieren wir ein paar Mal in der Woche per Email. Ich habe sie gebeten, meine Übersetzung vor der Veröffentlichung auf Fehler zu prüfen. Sie haben sich sofort dazu bereiterklärt. Ich bin ihnen dankbar, dass sie es für mich machen.

Einigung

Seit Samstag sind wir innerhalb der Familie nur am telefonieren wegen der Neuvermietung. Ein Entwurf des Mietvertrages liegt allen Beteiligten vor. Alle haben ihn durchgesehen. Besondere Hochachtung gilt meiner fast 90-jährigen Tante. Sie hat das gedruckte Formular ausgiebig durchgearbeitet. 3 Punkte sind ihr aufgefallen, die nach ihrer Meinung einer Klärung bedurften. Unser Hausverwalter konnte die Punkte erklären und wir waren zufrieden.

Heute kamen die Änderungsvorschläge vom neuen Mieter. Ausserdem ging es um den Zeitplan. Eine Geschäftseröffnung Ende Mai lässt sich wohl realisieren, aber es ist sehr unsicher. Wenn das aus baulichen Gründen nicht klappen sollte, könnte es für den Mieter zu erheblichen finanziellen Einbussen kommen. Eine Garantie für eine rechtzeitige Fertigstellung wird der Architekt nicht geben, ganz zu schweigen von einem finanziellen Ausgleich. Es ist zwar ärgerlich und bedeutet für uns einen weiteren Einnahmeverlust von weiteren 3 Monaten, aber wir haben uns dann auf einen Mietbeginn zum 15. August geeinigt. Die notwendigen Arbeiten können jetzt in Ruhe durchgeführt werden und werden endgültig in Auftrag gegeben wenn der Mietvertrag unterschrieben ist.

Schock

Heute Mittag erhielt ich einen Anruf unseres Hausverwalters für unser Haus in Lübeck. Er hat durch unseren Anwalt ein Schreiben des Insolvenzverwalters unseres ehemaligen Mieters erhalten. Wir werden aufgefordert, bis zum 23. April 2002 67.000 Euro zu zahlen, Gelder, die uns der säumige Mieter in einem Zeitraum von Mai bis Dezember 2001 überwiesen hat, uns zustehende Mieten für das Ladengeschäft. Wie das bei Anwälten so ist, beruft sich der Insolvenzverwalter auf verschiedene Paragrafen und darauf, dass das Insolvenzverfahren bereits am 3. August letzten Jahres beantragt wurde. Wenn das dann so stimmt frage ich mich, warum wir erst Anfang Januar diesen Jahres über die Insolvenz unterrichtet wurden?

Darüberhinaus waren wir das ganze letzte Jahr, über den August hinaus, bis in den Dezember hinein, mit dem Mieter in Verhandlung, um einen Schuldentilgungsplan zu erlangen und ihnen einen Räumung auf Grund unserer Räumungsklage zu ersparen.

Gut, ich bin kein Fachmann, dafür gibt es Anwälte, aber wenn das Geschäft bereits unter Insolvenz war und die Inhaber das wussten – gleichzeitig mit uns verhandelten und weitere Zahlungen leisteten – dann nenne ich diese Leute Betrüger.

Unser Anwalt hat dem Insolvenzverwalter den Sachverhalt aus seiner und damit unserer Sicht bereits mitgeteilt und uns davon abgeraten, den Betrag zu zahlen.

Ich hoffe, dass wir gute Chance haben, das Geld nicht zurückzahlen zu müssen.

Schlimm ist dies für meine 89-jährige Tante und meinen 78-jährigen Vater, die beide ebenfalls Anteilseigner an dem Haus sind. Sie sind beide durch einen Schlaganfall bzw. durch eine missglückte Operation stark gehbehindert. Meine Tante habe ich schon informiert. Ich vermute, sie wird eine schlaflose Nacht haben. Meinen Vater werde ich erst morgen anrufen. Er hat im Moment ziemliche Probleme – mental und körperlich. Ich möchte ihm eine schlaflose Nacht ersparen. Meine Cousine, ebenfalls Anteilseignerin, befindet sich zur Zeit im Kurzurlaub. Sie werde ich auch erst morgen unterrichten und nicht über ihr Handy anrufen.

Hatte ich schon mal erwähnt, dass die ehemaligen Mieter Türken sind?